Eine Gruselshow der besonderen Art wurde den zahlreichen TeilnehmerInnen der Jahrestagung für BibliothekarInnen im Bildungshaus Batschuns heuer geboten. Mit Zahlen, die im Kopf unwillkürlich Bilder einer tristen Zukunft beschworen und die klar machten: Wir müssen die Welt verändern! Und wer, wenn nicht "die" Bildungsorte, können besser Lust auf Umwelt und deren Schutz machen?

Bei der diesjährigen Jahrestagung für BiblothekarInnen wimmelte es sozusagen vor lauter Zahlen - doch nicht alle davon waren so negativ, wie die, die Rochus Schertler vom Naturschutzbund zu berichten hatte. Den Anfang machten nämlich viele positive Zahlen. Zahlen wie die 700 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in Vorarlbergs Bibliotheken beispielsweise, die Landesrätin Bernadette Mennel ins Feld führte. Oder die Spitzenposition, die Vorarlberg österreichweit einnimmt, wenn es um die Anzahl der Entlehnungen, die Veranstaltungen oder die Finanzierung der Förderung der Träger geht.

Innovative Projekte
Immerhin 17,99 Prozent der österreichweiten Förderung wandern nämlich nach Vorarlberg. Kein Wunder, wenn man sich ansieht, wie aktiv in Vorarlberg an neuen Projekten gearbeitet wird. Die "Lesestunde" beispielsweise, die zum (Vor)lesen verlocken soll und deshalb auch ein gemeinsames Projekt der Vorarlberger Bibliotheken ist. Oder "Mäder trifft" - eine Veranstaltungsreihe, bei der hochkarätige AutorInnen mit ihren Büchern Rede und Antwort stehen. Oder Nüziders, die mit dem letztjährigen Kürbisprojekt den Kindern zeigten, wie aus einem Kürbiskern nicht nur eine schöne Dekoration, sondern auch eine Suppe und mehr werden kann. Bibliotheken, darin waren sich die Vortragenden einig, sind eben Lese-, Kultur- , Begegnungs- und Sozialzentren.

Gruselige Zahlen
Weniger schön wurde es dann beim Vortrag von Rochus Schertler vom Naturschutzbund, den er selbst als "Gruselshow" bezeichnete. Und dafür "bombadierte" er die ZuhörerInnen fast schon mit riesigen Zahlen. In den 108 Stunden von Montag, 8 Uhr bis Freitag 20 Uhr, vermehrt sich die Welt um eine Million Menschen netto, so Schertler. Das seien 80 Millionen im Jahr und damit mehr, als die Welt schafft, ohne dabei Schaden zu nehmen. Denn  natürlich brauchen diese Menschen alle Platz und Materialien - 60 Gigatonnen pro Jahr sind das an Materialien, die der Welt entzogen werden. Blöd nur, dass das Verhältnis der Zeitdauer,die die Natur braucht, um fossile Naturträger wieder anzusammeln zu der Zahl, in der die Menschen diese verbrennen 5 000 000: 1 ist. 

Zukunft und Vergangenheit
Ähnliche Zahlen regnete es beim Verbrauch von Fleisch, der Zahl der Böden, die durch Versalzung etc. gefährdet sind oder dem explodierenden Artensterben. Seit 40 Jahren monitore der WWF 3038 Tierarten und 10380 Populationen. Und in dieser Zeit sind es 52% weniger geworden weist Schertler auf den "living planet report" hin. Dafür war 2014 nicht nur das wärmste Jahr seit Messbeginn, sondern auch das Jahr mit den meisten Fluggästen. 3 300 000 000 nämlich. Es gebe keine Klimaskeptiker mehr, sondern nur mehr Klimalügner, erklärte Schertler. Immerhin gibt es weltweit noch über 430 Atomkraftwerke, die in 31 Ländern in Betrieb sind, und die jedes Jahr älter werden, warf Schertler einen Blick auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima.

Bibliotheken sind Müllvermeider
737 Konzerne, die auch miteinander verflochten seien, würden 80% der Weltwirtschaft kontrollieren, zeigte Schertler alarmierende Zahlen auf und zitierte im nächsten Satz Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet". Österreich werden sich in den nächsten 20 Jahren mehr verändern, als in den vergangenen 100 Jahren und Vorarlberg sei dabei keine Insel der Seligen - auch wenn im Ländle schon viel zum Thema Umwelt getan werde. Einen wichtigen Part übernehmen auch die Bibliotheken, die "Orte seien, an denen Nachhaltigkeit passiere und an denen Ressourcen geteilt werden". Überspitzt gesagt: Bibliotheken sind Müllvermeider.

Was also tun?
Sich bewusst werden, dass jeder in diesem System eine Eigenverantwortung habe, so Schertler. Oder vielleicht auch einfach gar nichts tun, denn "Wer nichts tut, ist CO2 neutral unterweg", brachte er die TeilnehmerInnen zum Lachen. Laufen, lieben, lachen, lernen und genießen - aber auch Fitness, Autonomie und soziale Intelligenz schlug Schertler vor. Und manchmal das Haus einfach nicht zu putzen spare nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen wie Strom oder Putzmittel. 

Bitte lachen
Auch die Sonderpädagogin Ingrid Benedikt plädierte dafür, nachzudenken, was man wirklich brauche. Und was nicht. Sie zeigte, wie man Kindern mit Spielen und Büchern Lust auf Umwelt macht und erklärte die Achtsamkeit zu ihrer Zauberformel. Gegenüber der Natur, anderen Menschen, sich selbst und anderen Lebenswelten. Am besten, indem man riecht, schmeckt, zuhört, Spaß und Begeisterung zeigt. Umweltfreundlich gelächelt wurde schließlich mit dem Theater Phoenix, die das Umweltthema eher kabarettistisch angingen. So kann es z.B. passieren, dass man beim Versuch der Herstellung eines umweltfreundlichen Putzmaterials mit Waschsoda fast zum Drogendealer abgestempelt wird. Oder dass man auf einem Flohmarkt vor dem eigenen Kind vorgeführt wird. Oder dass man fast eine Hypothek aufnehmen muss, um seine eigenen Kräuter ernten zu können.