Gedanken zum Pfingstfest von Bischof Benno Elbs.

Auf den Straßen vor meinem Büro an der Feldkircher Bärenkreuzung ist es in den letzten Wochen ungewohnt ruhig gewesen. Dort, wo normalerweise reger Betrieb herrscht, war es sogar tagsüber angenehm still und ich konnte, was sonst nicht möglich ist, auch während des Arbeitens das Fenster geöffnet lassen. 

Mittlerweile hat sich die Geräuschkulisse geändert. Hupende Autos und dröhnende Lastwagen sind wieder zu hören. Alles beim Alten, denke ich mir – und muss mir gleich im nächsten Augenblick selbst widersprechen. Denn da fallen mir die vielen Menschen ein, die mir in den letzten Tagen und Wochen ihre Sorgen anvertraut haben: Ich denke an den Jugendlichen, der keine Lehrstelle findet; an die Familienunternehmerin, die ums wirtschaftliche Überleben kämpft; an die Sorge vieler Familien, wie sie finanziell über die Runden kommen; an die Pflegerin, die fernab ihrer Heimat arbeitet und schon seit drei Monaten ihre Kinder nicht mehr gesehen hat. Nein, es ist nicht alles wie zuvor.

An diesem Wochenende, 50 Tage nach Ostern, feiern wir Pfingsten: Es ist das Fest des Heiligen Geistes, der nicht Altes zementiert, sondern zu jeder Zeit Neues möglich macht. Der Geist Gottes schenkt Nähe überall dort, wo Menschen allein und sich selbst überlassen sind. In Zeiten der Krise ist die positive Kraft von Glaube und Religion für viele Menschen eine Sinnquelle, die sie trotzdem ja zum Leben sagen lässt. Ausdauer und einen langen Atem brauchen wir im ganz persönlichen Leben, aber auch bei allen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Themen unserer Tage. Dankbarkeit, Solidarität, Zuversicht und Gottvertrauen können dabei unsere Wegbegleiter sein. Egal, in welcher Situation Sie sich gerade befinden: Ich wünsche Ihnen, dass der Geist Gottes Ihr Herz berührt, damit nicht alles beim Alten bleibt, sondern neue Lebensfreude wachsen kann.

Bischof Benno Elbs