Gedanken von Bischof Benno Elbs zum Pfingstfest 2018

Soziale Spannungen und politische Verwerfungen, Datenmissbrauch und Wahlbeeinflussung, Gewalt und Terror, Verunsicherung und Ängste nehmen zu. Wohin entwickelt sich unsere Erde, das Miteinander der Völker und Staaten? Was ist mit den Menschen, die keine Stimme haben, die sich selbst nicht helfen können? Was gibt heute noch Orientierung? Da und dort hört man den Ruf nach einem starken Wort: Da muss doch endlich jemand einmal sagen, was Sache ist!

Mir scheint, die Sprache im öffentlichen Raum hat in den letzten Jahren eine Wandlung erfahren: langsam, kaum merklich, und plötzlich erschrickt man, wenn jemand einen Begriff verwendet, der eben noch als tabu galt. Es gibt sogar so etwas wie einen Wettbewerb von „Unworten“: alternative Fakten, stichhaltiges Gerücht, Fake News, Volksverräter, Gutmensch, Lügenpresse, Sozialtourismus ... Solche Ausdrücke galten bisher einfach nur als Unterstellung, Verleumdung, Lüge. Die Folge dieser Sprachverwirrung: da und dort bröckelt das Miteinander. Menschen, die vorher geholfen haben, ziehen sich zurück. Die, die vorher miteinander Feste gefeiert haben, kennen sich nicht mehr. Die, die regen Handel miteinander getrieben haben, bauen wieder Zollmauern auf ...

Die Welt braucht dringend wieder ein pfingstliches Sprachenwunder. Im biblischen Bericht vom Pfingstfest heißt es nämlich, dass sie alle in verschiedenen Sprachen redeten, und doch verstand ein jeder den anderen. Damit ist auch gemeint: Jeder und jede darf sein, wie er und sie ist, mit seiner Geschichte, ihrem Leben, seiner Sorge, ihrer Überzeugung, seiner Religion… Trotzdem verstehen sie einander, weil sie Eines wissen: Wir gehören als Menschen zusammen. Wir alle leben auf dieser Erde im selben Boot. Und für uns Christinnen und Christen kommt noch hinzu: Weil Gott der Schöpfer jedes Lebens ist. Ja, die Welt braucht heute wieder den pfingstlichen Geist des guten Wortes: Ein gesegnetes und frohes Pfingstfest! Ein Fest, das verbindet! Ein Fest für alle!

Bischof Benno Elbs