Rom – Mittwoch, 21. Oktober 2015

Das Frühstück in „Santa Marta“ ist immer etwas Besonderes. Es sind viele Gespräche, die hier im informellen Kreis stattfinden. Heute war dafür etwas mehr Zeit. Auf Grund der Arbeit des Redaktionsteams konnten die Synodenteilnehmer etwas später die Arbeit aufnehmen. So haben wir das auch an unserem Tisch heute Morgen genutzt. Ein Bischof meinte, es ist großartig, in einer so global-bunten Runde zusammenzukommen.

Ein Bischof aus dem Südsudan erzählt vom Bürgerkrieg in seinem Land, von der Flucht der Menschen in die Nachbarländer. In einem anderen Land, in Äthiopien, ist es die Armut, die vielen zu schaffen macht. Der Kardinal von Barcelona erzählt über die politische Situation in Spanien, die Katalanen, die ihre Selbständigkeitsbemühungen sehr deutlich in die spanische Gesellschaft einbringen. Ein Bischof aus Haiti und sein Nachbar aus der Dominikanischen Republik sind auch am Tisch und sprechen über die Situation der Familien in ihren Ländern. Auch der Jüngste des Kardinalkollegiums ist heute beim Frühstück an unserem Tisch, Kardinal Mafi aus Tonga, einer Insel in Ozeanien. Er erzählt von einer friedlichen Situation. Seine Diözese, sie hat etwas über 100.000 Katholiken, liegt auf einer Insel. Es gibt keine Feinde der Menschen, es gibt nur Wasser und Fische. Und auf Insel viel Sonne und Kokospalmen.

Ganz anders wiederum ist die Situationen vieler Familien bei uns in Österreich, wo die Ökonomisierung des täglichen Lebens Vielen Sorge bereitet, wie sie bestehen können, wie Familie-Sein auch in einer Zeit möglich ist, wo es viele Teilfamilien gibt. Allen gemeinsam ist, dass die Familie eine Einheit ist, die ein gutes Leben möglich macht. Wenn alle sozialen Netze wegbrechen, wie es in manchen Ländern der Fall ist, dann ist die Familie ein letztes tragfähiges Vertrauensnetz der Liebe, das leben lässt, auch unter den schwierigsten Umständen.

Synode heißt in diesem Sinn auch ein Blick, eine Sensibilität und Achtsamkeit füreinander zu haben. Ein schöner und zentraler Nebeneffekt eines gemütlichen Frühstücks.

Bischof Benno Elbs