Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern, Jung und Alt - sie alle stehen in Form lebensgroßer Pappfiguren diese Woche auf den Wochenmärkten in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch im Weg und weisen auf die Aktionswoche der ARGE Wohnungslosenhilfe hin. Und darauf, wie die geplante Kürzung der Mindestsicherung sich auf das Leben hunderter Vorarlberger Familien auswirken würde.

Wohnen wird immer teurer - vor allem in Westösterreich. Und vor allem dann, wenn man Mindestsicherung bezieht - oder beziehen muss. Bereits jetzt kämpfen viele Familien, Alleinstehende und PensionistInnen in Vorarlberg mit der Schere, die zwischen stark steigenden Wohnkosten und Einkommen auseinandergeht. Die Folge: um die Wohnung nicht zu verlieren, muss immer mehr vom Lebensunterhalt für Wohnen aufgewendet werden.

Wenig Wahlmöglichkeit

Für diese Menschen wird es dadurch immer schwieriger, sich mit dem Nötigsten für ihren Lebensbedarf auszustatten und im Kontext von Familien sind es vor allem Kinder, die unter dieser Problematik leiden. Betrachtet man die Zahlen für 2017, so stellt man fest, dass 37 % derjenigen Personen, die von Leistungen der Mindestsicherung leben mussten, Kinder unter 18 Jahren waren, betont die ARGE Wohnungslosenhilfe – eine Arbeitsgemeinschaft der Vorarlberger Wohnungslosenhilfeeinrichtungen.

Weitere Kürzungen in der Mindestsicherung

Die Bundesregierung sieht nun in ihrem Vorschlag weitere Kürzungen in der Mindestsicherung vor und verstärkt damit den Druck auf die Betroffenen massiv. Zukünftig solle es in allen Bundesländern eine einheitliche Regelung geben, bei welcher der Maximalbetrag für Lebensunterhalt und Wohnbedarf insgesamt netto € 863,04 für einen alleinstehenden Erwachsenen nicht überschreiten dürfe. Den Bundesländern würde – so der Ministerratsvortrag – nur Spielraum nach unten eingeräumt. Weil die Kosten für Wohnraum aber gerade in Vorarlberg höher als andernorts sind und weiter steigen werden, steht damit die Wohnraumsicherung für viele Betroffene auf der Kippe.

660 Familien betroffen

"Diese Kürzungen werden alle Bezieher von Mindestsicherung treffen, besonders aber Familien“, betont Peter Brunner vom Verein Dowas. Deshalb kritisierten die Caritas Vorarlberg, das Institut für Sozialdienste, Kaplan Bonetti, das Kolpinghaus Götzis und die Notschlafstelle Dowas die neue Mindestsicherung. „Denn würde sie so wie geplant kommen, dann wären in Vorarlberg etwa 660 Familien von Obdachlosigkeit betroffen. Das sind 2450 Menschen, davon etwa 800 Erwachsene und rund 1600 Kinder, die über kurz oder lang ihre Wohnungen verlieren würden“, rechnet Brunner vor. Die hohen Wohnkosten verschärfen zusätzlich die Situation in Vorarlberg. Michael Natter, Caritas Vorarlberg, kritisiert zudem, dass die Kürzungen viele treffen, die gar nicht erwerbstätig sein können. „2017 waren 42 Prozent der Betroffenen, Kinder oder Personen über 60“, so Natter.

Die ARGE Wohnungslosenhilfe fordert deshalb eine Kombination aus überarbeiteter und erhöhter Wohnbeihilfe sowie gezielte und verstärkte Förderung von gemeinnützigem Wohnbau. Ebenso eine Leerstandsaktivierung von Wohnungen.

Mit einer Aktionswoche und fünf lebensgroßen Figuren macht die ARGE auf Vorarlbergs Wochenmärkten auf die Situation von Beziehern und Bezieherinnen der Mindestsicherung aufmerksam:

Mittwoch, 20. Juni, 08-12 Uhr in Dornbirn
Freitag, 22. Juni, 08 – 13 Uhr in Bregenz
Samstag, 23. Juni, 08-13 Uhr in Feldkirch