"Wenn es keine andere Alternative mehr gibt als die Straße, ist die Notschlafstelle die letzte Option", betonte der Stellenleiter "Existenz&Wohnen" Christian Beiser im Café der Notschlafstelle in Feldkirch. Jetzt, da die Tage und Nächte wieder kälter werden, bekommt das Thema Wohnungsnot noch mehr Relevanz. Und Dringlichkeit.

28 Tage. So lange dürfen Gäste maximal in der Notschlafstelle der Caritas Vorarlberg bleiben. 28 Tage, in denen sie einen geschützten Rahmen und ein warmes Dach über dem Kopf haben, gecoacht und von SozialarbeiterInnen betreut werden. 1.576 Übernachtungen konnte die Notschlafstelle in den ersten drei Quartalen des heurigen Jahres bereits verzeichnen. "Unser vorrangiges Ziel muss ein, gemeinsam mit den Gästen eine tragfähige Wohnperspektive zu erarbeiten", betont Beiser. Die Erfahrung zeigt: ein Fünftel der Gäste kommt in einer betreuten Wohnform unter, ein Fünftel findet eine Mietwohnung - und der Rest? Der bleibt prekär. Bedeutet: zurück auf die Straße, zu Freunden und Bekannten.

Bevor es akut wird

Damit es gar nicht erst so weit kommt, arbeitet die Beratungsstelle "Existenz&Wohnen" aktiv daran, frühzeitig drohende Delogierungen abzuwenden. Beratung und Begleitung stehen im Mittelpunkt - auch aufsuchende Betreuungsarbeit in Form von 811 Aussendiensten (2017). Bei einem Drittel der Beratungen sei Wohnen das aktue Problem- und immer mehr sind auch Familien davon betroffen, so Caritasdirektor Walter Schmolly. Tendenz steigend.

Mehr Familien und Kinder betroffen

"2017 lag die betroffene Haushaltsgröße noch bei durchschnittlich knapp über zwei Personen, für Jänner bis September 2018 bereits bei fast drei Personen", betont Schmolly, dass zunehmend auch Kinder betroffen sind. 750 um genau zu sein. Wohnungsnot habe verschiedene Gründe: Zum einen sind da strukturelle Gründe wie ein niedriges Haushaltseinkommen. Mehr als ein Viertel der Wohnungslosen haben ein Einkommen und brauchen dennoch Unterstützung, bringt Schmolly den "working poor" Begriff ins Spiel. Gleichzeitig steigen die Wohnkosten, sodass in 11% der Haushalte mehr als 40% des Haushalteinkommens fürs Wohnen aufgewendet werden muss. Und auch die schlechtere Absicherung im sozialen Netz trägt das Ihrige dazu bei. Stichwort Mindestsicherung.

Keine "Altbekannten"

Für mehr als 200 Menschen ist deshalb jährlich die Notschlafstelle die letzte Alternative vor der Straße. Und wer denkt, dass es immer die "Altbekannten", irrt. Zwei von drei Gästen sind zum ersten Mal in der Notschlafstelle. Die Notschlafstelle, die übrigens für Menschen in den Bezirken Bludenz und Feldkirch zuständig ist, schafft Entlastung und ist das Vorzimmer für eine Lösung, erklärt Beiser. Und auch die Vermeidung von Wohnungsverlust ein ein wesentliches Beratungsangebot.

Was kann ich tun?

Caritasdirektor Walter Schmolly und seine MitarbeiterInnen wünschen sich mehr Rückhalt und Solidarität. Wohnraum müsse wieder leistbar werden, nimmt er die Regierung in die Verantwortung. Außerdem gibt es viele leerstehende Gebäude, die man günstig zur Verfügung stellen könnte, appelliert er an Haus- und Wohnungseigentümer in Vorarlberg. Und zuletzt wäre da noch das liebe Geld.

Bereitstellung von leistbarem Wohnraum: T 05522 200 1221
Geldspenden: Kennwort "Wohnungsnot Vorarlberg" unter caritas-vorarlberg.at