Jetzt mal ehrlich, Kirche, ja, das ist schon in Ordnung. Aber ein bisschen mehr könnte es schon sein. Also mehr an Neuem, an einer Idee, an etwas, das man nicht schon seit Ewigkeiten kennt. Alle, die dieses Gefühl kennen, haben jetzt mit Neuland eine Anlaufstelle - und mit den Neuland-Stammtisch einen Ort, an dem sie sich auch vernetzen können.

Es ist so ein typischer Sommerabend. Die Gastgärten sind voll, die Stadt dampft und in der Nase hängt noch der Duft von der Hitze des sich langsam verabschiedenden Tages. Genau an einem dieser Abende biegt man dann in die Dornbirner Bahnhofstraße ein, um gleich wieder in der "wirtschaft" abzutauchen. Ja, es geht an diesem Abend um Kirche und ja, man trifft sich auf einen Feierabenddrink am Stammtisch: dem Neuland-Stammtisch. 

Fühlen Sie sich auch fremd in der Kirche?

Neuland, das ist eine Initiative der Katholischen Kirche Vorarlberg. Ziel ist es, eine Plattform für alle zu werden, die in der Kirche etwas verändern wollen, die etwas entwickeln wollen. Den Überblick im unbekannten Land behält dabei Thomas Berger-Holzknecht. Er leitet ein Team von Frauen und Männern, die seit Jahren Pfarrgemeinden beraten und begleiten. Mit Neuland kommt da zum bisherigen Beratungsangebot noch etwas Neues dazu.

Im Kern von Neuland steckt die Erfahrung, dass sich heute viele Menschen in der Kirche, wie man sie eben so kennt, nicht mehr zu Hause fühlen. Ja, natürlich, was man da sieht und hört, klingt vertraut. Das ist auch etwas Schönes und durchaus eine Qualität. Es muss aber eben nicht alles sein. Und wer könnte sich besser Formate überlegen für genau diese Menschen, als Menschen, die sich genau so fühlen und gerade deshalb etwas ändern wollen.

Wer hat eine Idee? Her damit!

Bisher sind sie mit ihren Ideen oder Anliegen oft alleine geblieben. An wen wendet man sich auch, wenn man eine neue Idee für die Kirche hat? An den Pfarrer? Gleich an den Bischof? Da lässt man es in den meisten Fällen doch eher bei der Idee und verschiebt die Tat auf irgendwann. Genau das soll mit Neuland nicht mehr passieren. Wer eine Idee hat, bitte melden! Es gibt sicher mehr "KirchenpionierInnen", als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte. Etwas mehr als 30 waren es zum Beispiel schon allein beim ersten Neuland-Stammtisch in der "wirtschaft".   

Wie geht "Stammtisch"?

Ok, und wie läuft so etwas also ab. Man trifft sich mit Menschen, die man vielleicht vom Sehen her schon kennt, manche sind ganz neu, andere kennt man seit langem von "einschlägigen" Kirchenveranstaltungen. Und dann, ja dann fängt einfach eine oder einer einmal an: Warum fühlt man sich denn fremd in der Kirche? Was müsste sich ändern? Was könnte man tun, damit sich das ändert?

Nicht lange, und alle diskutieren mit. An verschiedenen Tischen, in kleinen Gruppen, bei einem Bier, einem Aperol oder einem anderen, herrlich-kühlen Durststiller.

Man könnte doch ...

Und wie sieht es da mit den Ideen aus? Ja, auch die kommen beim Reden. Wie wär es denn, wenn man Kirchen fände, in denen man einfach mal so die klassische Bestuhlung aus der Verankerung reißen könnte, die man quasi aushöhlen könnte und dann zu einem Versammlungsraum aufrüsten würde, der einfach viel mehr zuließe, als die reine "Frontalbeschallung". Wie wäre es mit einer interreligiös nutzbaren Kirche, in der sich einfach ganz verschiedene Religionen zu Hause fühlen könnten? Wäre das nicht möglich. Oder, könnte man nicht diesen oder jenen Ort zu einer Anlaufstelle für "PilgerInnen" auf der Suche nach Neuem werden lassen.

Mit Begriffen wird gespielt, die Idee für eine kleine Erinnerung an das Beten im öffentlichen Raum geboren und die Zusammenarbeit mit ganz säkularen Einrichtungen wie Veranstaltungsräumen und Bühnen angedacht. Daneben sprießen aber auch ganz kleine Ideen wie: Gehen wir doch einfach einmal raus und stellen wir uns dem Gespräch mit den ganz "normalen" Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern.

Finden sich bei so einem Stammtisch dann Gleichgesinnte - ja perfekt! - dann gleich mal ran an die Sache. Wenn nicht? Auch egal, dann hat man aber zumindest schon einmal voneinander gehört und die Hemmschwelle, einander mit neuen Ideen einfach einmal anzusprechen, ist gleich bedeutend geringer.

Neuland ist schon im Gange

Übrigens, zu meinen, dass Neuland mit dem Stammtisch erst startet, wäre ein Trugschluss. Neuland ist eigentlich schon in vollem Gange. So sind in den letzten Jahren schon Aktionen und Initiativen wie die "Asche to go" am Dornbirner Marktplatz, die Pop up-Church oder die AnsprechBar entstanden. Ein urban gardening-Projekt in Bregenz fällt genauso in die Neuland-Kategorie wie auch die "Richtungswechsel"-Gottesdienste für Zweiflerinnen und Zweifler. Der Stammtisch gibt dem Ganzen jetzt noch zusätzlichen Schub in Sachen Vernetzung.

Ja, und weil man gerade so ins Gespräch vertieft war, wurde das geplante Stammtisch-Ende auch gleich einmal zeitlich etwas nach hinten verschoben. Ist doch ein gutes Zeichen, oder. Und die Zeichen für eine Fortsetzung des Neuland-Stammtisches für alle, die in der Kirche etwas bewegen, entwickeln, verändern, schaffen wollen, die stehen ziemlich gut.

Mehr Lust auf Neuland?

Thomas Berger-Holzknecht
www.kath-kirche-vorarlberg.at/neuland