Erst wenige Wochen ist das neue Schuljahr alt und schon wieder sind Diskussionen um das Thema Ethik entbrannt. Die einen erachten das Unterrichtsfach Ethik als überflüssig, die anderen erklären es für begrüßenswert, weil Schüler "Hilfestellungen bräuchten, um ihre Lebensorientierung zu finden". Zwischen 25 und 90 Millionen würde der Unterricht je nach Modell kosten. Anlass für neue Diskussionen.

Sich vom Religionsunterricht abmelden um ein paar Freistunden zu genießen - diese Möglichkeit soll es, wenn es nach Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz geht, bald nicht mehr geben. Wenn SchülerInnen ohne  religiöses Bekenntnis sind oder sich vom  Religionsunterricht abmelden, sollen sie als  Ersatz für den Religionsunterricht, einen Ethikunterricht besuchen müssen. So weit der Plan.  Grundlage hier für bildet die Überlegung, „dass alle Schüler nach Ende der Schullaufbahn ein Basiswissen zu Ethik, Religionen und Werten mitbringen" sollen.

Integrative Funktion des Religionsunterrichts
Natürlich sei dem konfessionellen Religionsunterricht den Vorzug zu geben, aber  „bevor ein Kind in der Schule keine Werte vermittelt bekommt, ist es sinnvoller, verpflichtenden Ethikunterricht zu besuchen. Denn Kinder brauchen Werte", ist sich Kurz sicher. Ähnlich sieht es auch die Leiterin des Interdiözesanen Schulamtes, Christine Mann, die nachvollziehen kann, dass sich das Staatssekretariat für Integration mit dem Thema auseinandersetzt, "denn die integrative Funktion des Religionsunterrichts in seiner Vielfalt steht ja fest: Nur über eine starke eigene Identität kann man sich dem Anderen gegenüber angstfrei öffnen."

Ethikunterricht: Begrüßenswert
Auch die neu gewählte Präsidentin der Katholischen Aktion ÖSterreichs (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, hält fest, dass der konfessionelle Religionsunterricht ein Recht des Kindes und ein vorrangiges Bildungsziel sei. Es sei deshalb "begrüßenswert, wenn Kinder und Jugendliche, die ohne religiöses Bekenntnis oder vom Religionsunterricht abgemeldet sind, wenigstens einen Ethikunterricht besuchen sollen", weil SchülerInnen Hilfestellungen bräuchten um ihre Lebensorientierung zu finden.

Persönliche Beziehung zu Gott reflektieren
Dennoch unterstrich Schaffelhofer, dass Ethikunterricht nicht als gleichwertiger Ersatz für den Religionsunterricht zu sehen sei. "Religiöse Erziehung muss im Unterricht ihren festen Platz haben", forderte sie. "Im Religionsunterricht geht es ja nicht nur um die soziale Dimension unseres Handelns, sondern darum die persönliche Beziehung zu Gott zu reflektieren und im Idealfall auch zu vertiefen. Diesen Anspruch dürfen wir nie aufgeben", zeigte sich Schaffelhofer überzeugt.

Seit 15 Jahren: das liebe Geld
Mann betonte, dass es bereits seit über 20 Jahren die Diskussion um die Frage eines Alternativunterrichts Ethik gebe. Seit 15 Jahren würden Schulversuche vorliegen. Es wäre nun an der Zeit, Entscheidungen zu treffen", so Mann und warnte davor, aufgrund von Finanzierungsproblemen nach österreichischer Manier weiter zu verschleppen.

Drei Varianten zur Diskussion
Modellrechnungen des Unterrichtsministeriums zu drei Varianten eines Schulfachs Ethik nennen den Rahmen der Kosten für eine mögliche Umstellung: von 25 bis 90 Millionen Euro. Zur Auswahl stehen dabei "Ethik" als eigenständiger, zusätzlicher Pflichtgegenstand, Ethik als alternativer Pflichtgegenstand für jene SchülerInnen, die keinen Religionsunterricht besuchen sowie "Ethik" als Lehrplanbestandteil eines Pflichtgegenstandes - jeweils beschränkt auf die Sekundarstufe II des Schulwesens.

40 oder 90 Millionen
Das auch vonden  Kirchen präferierte Modell eines Ethikunterrichts als Alternativfach für SchülerInnen, die keinen Religionsunterricht besuchen, würde rund 40 Millionen Euro kosten - pro Jahr.  Das Ministerium geht dabei davon aus, dass rund jeder dritte Schüler der Sekundarschule II in diesem Modell den Ethikunterricht auch besuchen würde. Die Variante als Pflichgegenstand für alle Schüler würde also bei einer Schulstunde 45 Millionen, bei zwei Wochenstunden 90 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Oder doch nur 25 Millionen
Die günstigste Variante ist mit 25 Millionen die, in der Ethik in den Lehrplan eines bestehenden Pflichtgegenstandes eingefügt wird. Mann betonte, dass man eine Schwächung des konfessionellen Religionsunterrichts  nicht ohne weiteres in Kauf nehmen dürfe. Das sei angesichts der gemeinsamen Inhalte und des unterschiedlichen Verpflichtungscharakters beider Gegenstände aber anzunehmen. Nur vom konfessionellen Religionsunterricht gebe es schließlich die Möglichkeit zur Abmeldung aus Gewissensgründen. Außerdem sei die besondere Bedeutung, die der Religionsunterricht für religiöse Minderheiten habe, keinesfalls zu unterschätzen. "In einer pluralen Gesellschaft muss ganz sicher auch der Vielfalt und der unterschiedlichen Situationen aller Kirchen und Religionsgesellschaften Rechnung getragen werden" so Mann.