Zum 39. Mal werden im November die Right Livelihood Awards („Alternative Nobelpreise“) verliehen – an Menschen, die sich auf ihre Art für eine bessere Welt einsetzen. Die heurigen Preisträger stehen fest.

Foto: Yacouba Sawadogo, Burkina Faso

Der Kampf gegen Korruption in Guatemela, der Einsatz für Menschenrechte in Saudi-Arabien, die Aufforstung in Dürre- und Trockenzonen in Burkina Faso und der Sahelzone: Wenn man es negativ formulieren wollte, könnte man sagen: Der Right Livelihood Award legt mit der Auswahl seiner PreisträgerInnen Jahr für Jahr den Finger in die Wunden in die Welt. Man kann die Stockholmer Juryentscheidung aber auch sehr positiv betrachten: Die mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichneten Initiativen zeigen, wie es besser gehen kann.

Wie es besser geht

Seit 1980 ehrt die Right Livelihood Award Stiftung Menschen und Organisationen, die visionäre und beispielhafte Lösungen für die Ursachen globaler Probleme gefunden haben. 174 PreisträgerInnen aus 70 Ländern haben die Auszeichnung bereits erhalten – darunter der Whistleblower Edward Snowden oder die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Dass es für den Award keine festen Kategorien gibt, hat einen Grund: „Oft werden gerade jene Wege und Lösungsansätze den Problemen unserer Zeit am besten gerecht, die sich nicht in bestimmte Kategorien pressen lassen“, heißt es sinngemäß in der Presseaussendung.

Der nicht dotierte Ehrenpreis geht heuer an Thelma Aldana (Guatemala) und Iván Velásquez (Kolumbien), die gemeinsam eine der erfolgreichsten Anti-Korruptions-Einsätze der Welt geleitet haben. Seit 2014 bzw. 2013 standen sie der Staatsanwaltschaft Guatemalas bzw. der Internationalen Kommission gegen Straffreiheit in Guatemala vor. Diese unabhängige Kommission (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala, CICIG) wurde 2006 durch ein Abkommen zwischen der Regierung Guatemalas und den Vereinten Nationen eingerichtet und diente der Zerschlagung jener tief verwurzelten kriminellen Netzwerke, die das Land seit Jahrzehnten plagen. „Dieser Preis kommt zu einem besonders dramatischen Zeitpunkt im Kampf gegen Straflosigkeit und Korruption“, betont Iván Velásquez die Bedeutung der Auszeichnung. „Er wird die Aufmerksamkeit der Welt auf Guatemala richten und hoffentlich auch internationale Solidarität mit jenen bringen, die sich für Veränderungen im Land einsetzen.“

Menschenrechte und Umweltschutz

Ein Preisgeld in Höhe von je einer Millionen Schwedischen Kronen (ca. 96.000 Euro) erhalten drei weitere Initiativen: In Saudi-Arabien werden die Menschenrechtler Abdullah al-Hamid, Mohammad Fahad al-Qahtani und Waleed Abu al-Khair „für ihren visionären und mutigen Einsatz“ geehrt, der „geleitet von universellen Menschenrechtsprinzipien das totalitäre politische System in Saudi-Arabien zu reformieren versucht“. Es ist das erste Mal, dass der Award an Preisträger aus Saudi-Arabien verliehen wird – Preisträger, die derzeit alle eine politisch begründetee Haftstrafe verbüßen: 2013 wurden al-Hamid und al-Qahtani wegen „Anstiftung zur Unruhe durch den Aufruf zu Demonstrationen” und „Bildung einer nicht lizenzierten Organisation“ zu elf und zehn Jahren Haft verurteilt. Abu al-Khair wurde 2014 zu 15 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen „Ungehorsam gegenüber dem Herrscher“ und „Schädigung des Ansehens des Staates durch Kommunikation mit internationalen Organisationen“.

Zwei weitere Preise gehen an Umweltprojekte in Burkina Faso und in der Sahelzone: Der Bauer Yacouba Sawadogo (Burkina Faso) erhält den Preis „für die Verwandlung von unfruchtbarem Land in lebendigen Wald und für die Weiterentwicklung von lokalem und indigenem Wissen zur Regeneration des Bodens“, so die Jurybegründung. Der australische Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo wird „für den praktischen Beweis ausgezeichnet, wie Trockengebiete in großem Umfang und mit minimalen Kosten begrünt werden können – zur Verbesserung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen.“

Preisverleihung im November

Die Bekanntgabe der diesjährigen PreisträgerInnen erfolgte im Internationalen Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums durch Ole von Uexküll, Geschäftsführer der Right Livelihood Award Stiftung, und Amelie von Zweigbergk, Vorstand und Jury-Mitglied der Stiftung. Die Entscheidung wurde von einer internationalen Jury getroffen, die die Preisträger aus 107 Nominierungen aus 50 Ländern auswählte. Die Preisverleihung findet am 23. November in Stockholm statt.

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Quelle: Right Livelihood Award / red