Ticket, Zeitung, Koffein – Grundausstattung moderner BahnfahrerInnen. Kaffee und Lesestoff gibt es seit Monatsbeginn bei der ÖBB mit wichtigen und fairen Upgrades. Prost!

Seit unser täglich Brot (Gluten, Kohlenhydrate, Tradition – wir sprachen davon) derart in Verruf geraten ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas in die Bresche springen würde – etwas, das man mindestens genauso sehr braucht und für das man dem lieben Herrgott nicht genug danken kann. Kaffee – gluten-, kohlenhydrat- und fettfrei – ist eigentlich ein idealer Kandidat. Wenn da nicht die Sache mit dem Anbau wäre – und die mit dem Müll.

200.000 Becher pro Minute

70 Millionen Becher Kaffee gingen 2017 allein in der Hauptstadt über die Tresen – „to go“ im praktischen Becher aus Pappe. Halbwertszeit: keine 15 Minuten. Ergebnis: 988 Tonnen Müll. Der ist vor allem deshalb ein Problem, weil die Becher beschichtet sind und darum nicht einfach recycelt werden können, wie die Wiener Grünen berichten. Ob nun ein Pfand- oder Mehrweg-System ein möglicher Ausweg ist: offen.

Der Becherinhalt ist nicht minder problematisch: Nur zwei von zwölf Bäckereiketten in Wien schenken Kaffee aus, den man guten Gewissens genießen kann, hat die Menschenrechtsorganisation Südwind ermittelt. Heißt: Kaffee, der sowohl das Bio- wie auch das Fairtrade-Siegel trägt.

Gerade letzteres macht für die Kaffeebauern einen riesigen Unterschied: Am Weltmarkt, berichtet das ARD-Magazin Weltspiegel, „bewegen sich die Preise für Kaffeebohnen wie Fieberkurven. Mit starken Ausschlägen nach oben – aber noch viel öfter nach unten.“ In Kenia zum Beispiel würden rund 90 Prozent des Ertrags zum Tageskurs versteigert. Nur für Fairtrade-Kaffee gelte ein Festpreis – knapp über dem Weltmarkt-Niveau.

Kein Tropfen auf den heißen Stein

Der Kauf von fair gehandeltem Kaffee verbessert so nicht nur die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kaffeebauernfamilien in Mittel- und Südamerika sowie Westafrika und sichert, dass an keiner Stelle Kinder schuften mussten, sondern unterstützt obendrein nachhaltige Anbaumethoden und Umweltschutz.

Dass der neue ÖBB-Caterer Donhauser im Bordrestaurant und mobilen Bordservice seit 1. April Fairtrade-Kaffee serviert, kann darum als Meilenstein gelten, schließlich werden in den Zügen der ÖBB allein jährlich 1,2 Millionen Portionen Kaffee ausgeschenkt. Man folgt damit einerseits dem Beispiel der Deutschen Bahn, die seit genau ein Jahr nur noch Fairtrade-zertifizierten Kaffee im Angebot hat. Andererseits ist für dieses Umdenken sicher auch die Südwind-Petition „Fairen Kaffee auf Schiene bringen“ mitverantwortlich, die im vergangenen Sommer über 2.100 Menschen unterzeichneten. „Wir freuen uns, dass die ÖBB mit dem neuen Catering fairen Kaffee-Genuss beim Zugfahren ermöglicht“, erklärt Lisa Weichsler, Kaffee-Expertin von Südwind. Allerdings gebe es noch viel zu tun: „Wir hoffen, dass bald mehr Bäckerei-Ketten auf den Zug aufspringen und fair gehandelten Kaffee anbieten.“ Und über die Sache mit den Bechern muss man wohl auch nochmal reden.

Kirchenzeitungen gratis im Railnet lesen

Wie viel Wirkung freundlicher Protest und bestimmtes Auftreten zeigen können, erfuhren dieser Tage auch die österreichischen Kirchenzeitungen: Seit Ostern stehen im so genannten „Railnet“ - dem Gratis-Lektüre-Angebot der ÖBB -  den Nutzern nämlich Kirchenzeitungen genauso zur Verfügung wie andere rund 100 Zeitungen und Magazine in digitaler Form.

Quell: Südwind / ÖBB / Kathpress / red