Die Reaktionen von ReligionsvertreterInnen auf das vorgelegte Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ sind zwiegespalten.

Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, Parlament Wien abends, CC BY-SA 3.0 DE

Die Katholische Aktion Österreich macht „viel Licht, aber auch Schatten“ aus. „Ich sehe dasWahlergebnis in erster Linie als Ausdruck eines Wunsches nach Veränderung“, erklärt die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Gerda Schaffelhofer. Eine seriöse Bewertung der im Regierungsprogramm genannten Ziele und Maßnahmen sei freilich aber erst dann möglich, wenn die Pläne für deren konkrete Umsetzung vorliegen, so Schaffelhofer.

Positiv seien die pro-europäisch formulierten Positionen, ebenso die geplanten Verbesserungen für Familien und in den Bereichen Pflege sowie in der Integration von Menschen mit Behinderungen. „Zu begrüßen ist auch ein klares Festhalten am konfessionellen Religionsunterricht und die Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für alle, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen“, so die KAÖ-Präsidentin.

Politik statt Partikularinteressen

Die Kapitel zur Flüchtlings- und Integrationspolitik würden dagegen einen Geist der Abwehr und Abschottung atmen, merkte Schaffelhofer kritisch an: „Auch wenn man nicht einer ungeordneten und grenzenlosen Zuwanderung das Wort redet und manche Maßnahmen sinnvoll und nötig erscheinen, irritiert der Tonfall und der Fokus.“ Österreich habe sich in Europa und Europa habe sich in der Welt den Herausforderungen der Migration zu stellen „und als Solidargemeinschaft den Opfern von Krieg und Terror, von Hunger- und Klimakatastrophen beizustehen“.

Von der Opposition erwartet sie eine konstruktive und kritische Politik, die persönlich erlittene Kränkungen hinter sich lässt. Sie hoffe sehr, so die KAÖ-Präsidentin, „dass sowohl in den Regierungsparteien wie auch den Oppositionsparteien nicht wieder Partei- und Partikularinteressen vor dem Gesamtwohl dominieren“.

Das Wohl aller Menschen

Diesen Appell richtete auch Kardinal Schönborn an die politischen Vertreter. „Es muss um das Wohl aller Menschen in diesem Land gehen“, erklärte er im Gespräch mit „Kathpress“ und den Wiener diözesanen Medien „Radio Klassik Stephansdom“ und „Der Sonntag“: „Ich wünsche unserer Bundesregierung ein starkes Gespür und ein erfolgreiches Wirken für dieses Gemeinwohl.“

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat Sebastian Kurz (ÖVP) zwar zur Ernennung zum Bundeskanzler gratuliert, sich gleichzeitig aber in Blick auf die Koaliation mit der FPÖ besorgt über die Regierungsverantwortung einer „rechtspopulistischen bis rechtsextremen Partei“ gezeigt.

Quelle: kathpress.at / religion.orf.at (1 | 2 ) / red