Sie sind meist unerwünscht. Furchtbar lästig. Eine Schande für das Stadt- und Straßenbild. Und sie sind viele. Damit ihr Schicksal nicht einfach nur ein Schicksal bleibt, weist Jugend eine Welt auf den Internationalen Tag der Straßenkinder am 12. April hin.

Es läuft einem kalt den Rücken runter, wenn man ihre Geschichten hört und liest. Wie jene von Ahmad, der mit 14 Jahren ums Leben kam. Auf der Flucht vor Polizisten stürzte er vergangenen Jänner in Beirut in einen Ventilationsschacht und starb. Der kleine syrische Schuhputzer war schon öfter von der Polizei aufgegriffen, stundenlang festgehalten und geschlagen worden. Dennoch kehrte er immer wieder auf die Straße zurück, um etwas Geld zu verdienen und so seine  zehnköpfige Familie zu unterstützen. Ein Armutsschicksal, das er mit mehr als einer Million syrischer Flüchtlinge im Libanon teilt. Geschätzte 70-80 Prozent der Flüchtlingskinder müssen zum Familieneinkommen beitragen.

Blumen, Kaugummi, Taschentücher, CDs ...

Kein Wunder also, dass diese (syrischen) Kinder mittlerweile zum ganz "normalen" Straßenbild gehören. Sie verkaufen Blumen, Kaugummi, Taschentücher oder CDs, putzen Schuhe, betteln oder verkaufen sogar ihren Körper. In Beirut, in den Großstädten anderer Länder, die besonders viele syrische Flüchtlinge aufgenommen haben wie in der Türkei, in Jordanien und in Ägypten. Und auch in Syrien selbst, wo mehr als 100.000 Kinder durch den Krieg zu Waisen wurden, dürfte die Anzahl der Straßenkinder in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen sein.

Darum mahnte das UN-Kinderrechtskomitee die syrische Regierung im Jänner 2019 im Rahmen seiner Stellungnahme zum syrischen Staatenbericht unter der Kinderkonvention, man sei äußerst besorgt in Bezug auf die Situation der Straßenkinder und fordere die Regierung auf, ihre Kinderrechte zu respektieren bzw. Betteln zu entkriminalisieren.

Perspektive statt Strafe

Egal wo die Straßenkinder leben - sie sind meist nicht erwünscht. Regierungsbehörden und Polizeiapparate tendieren dazu, sie als „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ zu kriminalisieren und wegzusperren. So startete Ägypten 2017 eine Kampagne, um die Straßen von geschätzten 16.000 obdachlosen Kindern zu säubern. Das syrische Sozialministerium will das Phänomen bettelnder Kinder neuerdings mit einem Nationalen Aktionsplan bekämpfen - die Kinder sollen in ein Rehabilitationszentrum in der Region Al-Kiswah gesperrt werden. Doch Wegsperren ist keine Lösung, wie Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer anlässlich des Internationalen Tags der Straßenkinder betont, der von der Kinderrechtsplattform „Consortium for Street Children“ seit 2012 am 12. April begangen wird. „Straßenkinder haben die gleichen Rechte wie alle Kinder! Sie verdienen nicht Strafe, Stigmatisierung und Wegsperren, sondern besonderen Schutz und Fürsorge. Und sie brauchen neue Perspektiven“, so Heiserer.

Hilfe, wenn man sie will

Jugend Eine Welt fördert weltweit zahlreiche Projekte, die ehemaligen Straßenkindern eine neue Zukunft geben bzw. von vornherein verhindern, dass Kinder auf der Straße landen. Dabei wird grundsätzlich auf Freiwilligkeit gesetzt bzw. auf die lebensverändernde Rolle von Bildung und Ausbildung. Auch in Syrien und seinen Nachbarländern kümmern sich die Don Bosco-Projektpartner von Jugend Eine Welt um Kinder in Notsituationen und geben ihnen in ihren Einrichtungen Schutz und Hoffnung. Derzeit bittet Jugend Eine Welt um die Unterstützung eines 2018 neu eröffneten Kindergartens der Don Bosco Schwestern in Aleppo sowie einer Bergschule im Libanon, in der zahlreiche syrische Flüchtlingskinder unterrichtet werden.

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Fotocredit: Naz Amir / flickr.com  (CC BY 2.0)