"Und was globscht du?" fragen derzeit MitarbeiterInnen der Diözese Feldkirch im Rahmen der "Kirchturm-Gespräche" zahlreiche Menschen auf der Straße. "Nicht sehr viel" könnte die Antwort laut der aktuellen Studie des Pastoraltheologen Paul M. Zulehner lauten. Zwar spielt der Glaube durchaus noch eine Rolle, eine "Abkühlung" sei aber spürbar, so Zulehner.

Seit vielen Jahren schon erhebt die GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung in Zusammenarbeit mit dem Pastoraltheologen Paul M. Zulehner Daten zur Entwicklung von Religiosität in der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang analysiert Zulehner Gott und die (österreichische) Welt - seit 1988 - und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen.

Her- und wegglauben
Nach den Jahren 1988, 1992 und 2007 wurden 2012 tausend Menschen zur Bedeutung des Glaubens in ihrem Leben befragt. "Es ist schon schwer, Gott herzuglauben. Noch schwerer aber ist es, Gott wegzuglauben. Das Einfachste scheint heute daher vielen zu sein: gar nicht zu glauben. Gott und das alltägliche Leben zu trennen", fasst Zulehner seine Erkenntnisse zusammen. In den letzten 14 Jahren sei eine konstante Entwicklung zu erkennen:  Immer mehr Menschen in Österreich trennen ihr Leben im „Hier und Jetzt“ von einem Glauben an Gott.

Hier und heute vs. Gott
51 Prozent hatten im Jahr 1988 noch den Satz: „Ich lebe im Hier und Heute und kann daher nicht an einen Gott glauben“ kategorisch abgelehnt. 2012 waren es bereits nur noch 36 Prozent. Im Gegenzug stieg die Anzahl derer, die an keinen Gott glauben, von 14 auf 28 Prozent. Dazu kommen noch einige im skeptisch-unentschlossenen Mittelfeld (21%).

Gottesglauben und Zeitgeist
Der Pastoraltheologe interpretiert die Zahlen als Signal für eine "Abkühlung" des Glaubens.  Konkret bedeutet das, dass Menschen versuchen Gott im Alltag "auszublenden". Der Anteil derer, denen Gott in ihrem Leben ein wichtiger Teil ist, fiel seit 1988 bis 2007 von 42% auf 34%, um dann allerdings bis 2012 wieder auf 39% anzusteigen. Im Vergleich sei auffällig, dass „Gott an sich“ mehr gefragt sei als „Gott im Leben“.
Ob sich aus der Tatsache, dass die Zahl derer, die dem Glauben in ihrem Leben keine Bedeutung zumessen, von 44 auf 34 Prozent sank eine rendumkehr ableiten lässt, will Zulehner noch nicht beurteilen, wenngleich der Theologe festhält: „Dem Gottesglauben scheint der Zeitgeist also nicht nur in Gesicht zu blasen.“

Die Kultur wird Gott nicht los
Laut Zulehner zeige die Studie bei allen  "Verdunstungserscheinungen" des Gottesglaubens etwas Wichtiges: "Es gibt solche und solche – Gläubige, Weniggläubige, Fastgläubige, Ungläubige. Da sind Überzeugte neben Skeptikern, Gottesfürchtige neben Gottesleugnern. Die weltanschauliche Landschaft verbuntet sich zunehmend. Dabei wird die Kultur Gott nicht los: sie wird nicht gottlos." Der Theologe ortet eher eine "Kirchenkrise" als eine "Gotteskrise". Es gebe viele, die "Gott in der säkularen Gesellschaft in Erinnerung halten" oder wieder auf ihn ihr Leben bauen. "Die säkulare Gesellschaft ist alles andere als durchsäkularisiert. Die Menschen sind nicht so gottlos, wie Kirchenleute sie manchmal gerne hätten, zumindest viele von ihnen", so Zulehner.

Und im Detail
Wenig überraschendes offenbart die Detailanalyse: Demnach ist bei den 16- bis 19-Jährigen für rund 29 Prozent der Glaube wichtig.  Bei den Menschen über 60 sieht gut die Hälfte den Glauben als wichtigen Teil ihres Lebens an. Auch ein Land-Stadt-Gefälle ist zu verzeichnen: In Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern ist 28 Prozent ihr Glaube wichtig, in ländlichen Gebieten sind es dagegen 44 Prozent. Und: Frauen sind offenbar für den Gottesglauben etwas offener als Männer. (red/gfk.at)

Weitere Informationen zur Studie und den Ergebnissen finden Sie hier