Erstmals haben sich am Mittwoch im Hinblick auf die Bundespräsidenten-Stichwahl katholische Organisationen dezidiert für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen: Die Katholische Frauenbewegung Österreich (KFBÖ) und der Katholische AkademikerInnen-Verband Österreich (KAVÖ) haben dazu aufgerufen, Alexander Van der Bellen zu wählen.

In der KFBÖ wollte man ursprünglich keine Wahlempfehlung abgeben, erklärte die Frauenorganisation am Mittwoch in einer Aussendung. Man verwehre sich aber gegen die von der freiheitlichen Frauensprecherin Carmen Schimanek fälschlich erhobene Behauptung, eine "Wahlempfehlung für Norbert Hofer" abgegeben zu haben.

Schimanek hatte diese Behauptung in einer Presseaussendung des freiheitlichen Parlamentsklubs vom 17. Mai aufgestellt und laut KFBÖ auch nicht widerrufen, nachdem sie von der Frauenbewegung auf die Unrichtigkeit dieser Behauptung hingewiesen worden war.

Diese bewusste und wiederholte Missdeutung, ja Verdrehung eines Sachverhalts, sei absolut inakzeptabel. Das sei ein Kommunikationsstil, "der sich im vorliegenden Fall schwerer Manipulation bedient". So ein Verhalten dürfe nicht unbeantwortet bleiben und damit gesellschaftsfähig gemacht werden. "Ein Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, der einen Kommunikationsstil dieser Art goutiert und sich im laufenden Wahlkampf von einem derart agierenden Parlamentsklub unterstützen lässt, ist nicht wählbar", so KFBÖ-Vorsitzende Veronika Pernsteiner. Die Katholische Frauenbewegung rufe daher dazu auf, Norbert Hofer nicht zu wählen. "Sie empfiehlt die Wahl von Alexander Van der Bellen."

Zum Hinweis Schimaneks, Norbert Hofer sei "als praktizierender Christ für die KFBÖ natürlich die viel logischere Wahl als sein agnostischer Mitbewerber", erklärte Pernsteiner: "Wir erwarten von einem Bundespräsidenten kein Glaubensbekenntnis. Was wir von einem Bundespräsidenten und Politikern im Allgemeinen erwarten, sind Grundhaltungen, die mit einer christlichen Ethik vereinbar sind, mithin die Bereitschaft zum aufrichtigen, wertschätzenden Dialog."

"Demokratieverständnis ohne Wenn und Aber"


Eine klare Präferenz ließ am Mittwoch auch der Katholische AkademikerInnen-Verband Österreich (KAVÖ) erkennen: "Wählen Sie einen Bundespräsidenten mit einem Demokratieverständnis ohne Wenn und Aber", hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Persönlich würden die Präsidentin des KAVÖ, Anna Nöst, und der Vizepräsident, Georg Simbruner, Alexander Van der Bellen wählen.

Der Verband erinnerte an den Aufruf des Papstes bei der Verleihung des Karlspreises zur aktiven Teilnahme am Aufbau einer integrierten und versöhnten Gesellschaft; es genüge nicht, "Zaungäste der Kämpfe anderer" zu sein. Für den KAVÖ folgt darauf: "Nicht wählen ist daher keine Alternative für uns." Es gelte zu prüfen, welcher Kandidat für Humanismus, Demokratie und Menschenrechte steht. "Welcher Kandidat hat die notwendige Gelassenheit für den politischen Dialog in Österreich? Welcher Kandidat kann uns nach außen gut repräsentieren?"


"Solidarität und aufrichtiger Dialog"


Auch die Katholische Jungschar Österreich (KJSÖ) hat am Mittwoch dazu aufgerufen, an der Bundespräsidentschaftswahl am kommenden Sonntag teilzunehmen. Sie berief sich in ihrer Aussendung am Mittwoch auf die Verpflichtung mündiger Staatsbürger, "unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten". KJSÖ-Vorsitzende Sara Dallinger erklärte, "als Kinderorganisation ist es uns wichtig, auch die nicht stimmberechtigten Mitglieder unserer Gesellschaft, zu denen auch die Kinder gehören, bei der Stimmabgabe mit zu bedenken und die eigene Entscheidung nach bestem Gewissen und reiflicher Überlegung zu treffen".

In Zeiten, da die Angst um den Arbeitsplatz, um soziale Leistungen oder die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs steige, "nimmt die Verunsicherung und die Angst vor dem 'Fremden' zu", heißt es weiter. "Genau dann braucht es Menschen, die mit Weitsicht handeln und Brücken bauen." Den derzeitigen gesellschaftlichen Herausforderungen könne "nicht mit Abschottung, Misstrauen und Hetze, sondern nur durch europäische und internationale Solidarität und aufrichtigen Dialog" begegnet werden", betonte Dallinger. "Es ist unser aller Aufgabe, zu einer solidarischen Gesellschaft, in der das Miteinander im Vordergrund steht, beizutragen."

kathpress