„Nur wenn allen bewusst ist, was Missbrauch ist, warum es dazu kommt und was dagegen zu tun ist, können wir weltweit gemeinsame Standards einführen“, erklärt Kardinal Schönborn. Er wird Österreich diese Woche beim Kinderschutztreffen in Rom vertreten, das vom Papst einberufen wurde.

200 Teilnehmer, vier Tage, ein Thema. Von 21. bis 24. Februar wird es in Rom spannend, denn der Papst hat die Vorsitzenden katholischer Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften aus aller Welt in die ewige Stadt berufen, um gemeinsam über ein wichtiges Thema zu diskutieren: Missbrauch in der Kirche.

Hohe Erwartungshaltung

Ein gemeinsamer Bewusstseinsstand hinsichtlich der Missbrauchs-Problematik sowie weltweit gleiche Standards in der katholischen Kirche, wie bei Missbrauchsfällen vorzugehen ist bzw. welche Präventionsmaßnahmen gesetzt werden sollen - nicht mehr, vor allem aber nicht weniger erwartet sich Kardinal Schönborn vom Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan. Vorgesehen sind neben Plenarrunden und Arbeitsgruppen auch eine Bußfeier und Berichte von Betroffenen von Missbrauch sowie Vorträge externer Experten

Weder vertuschen noch begraben

Für Franziskus sei "wesentlich, dass die Bischöfe nach ihrer Rückkehr aus Rom die anzuwendenden Gesetze kennen sowie die notwendigen Schritte unternehmen, um Missbrauch zu verhindern, sich um die Opfer zu kümmern und sicherzustellen, dass kein Fall vertuscht oder begraben wird", hieß es zuletzt in einer Vatikanerklärung mit Blick auf die Beratungen. Die Versammlung sei eine wichtige Etappe "auf der schmerzhaften Reise" im Kampf gegen Missbrauch, auf der sich die Kirche bereits seit 15 Jahren befinde.

Opfer an die erste Stelle

Schon unter Papst Benedikt XVI. hätte es präzise Regeln hinsichtlich der Missbrauchsproblematik, die eigentlich längst alle Bischofskonferenzen hätten umsetzen müssen. In Österreich sei man diesen Weg mit Entschiedenheit gegangen, betonte der Kardinal. Doch was in Österreich längst Standard ist, sei es eben in vielen Ländern der Welt noch nicht. Schönborn: "Papst Franziskus möchte deshalb nicht nur einen gemeinsamen Bewusstseinsstand erreichen, sondern dass die Umsetzung der klaren und auch sehr strengen Richtlinien auch wirklich von allen ernst genommen wird." Überall auf der Welt müsse der Grundsatz gelten, "dass die Opfer an erster Stelle stehen und nicht die Institution bzw. der Ruf der Institution". Es gelte, "den Opfern eine Stimme zu geben".

Persönlich betroffen

Papst Franziskus habe deshalb im Vorfeld des Vatikan-Gipfels alle Bischofskonferenz-Vorsitzende verpflichtet, sich mit Betroffenen zu treffen. Jeder Teilnehmer müsse persönlich berichten können, was er durch die Gespräche mit Opfern gelernt habe. Auch mit einem Video habe man dies dokumentieren müssen. Schönborn: "Der Papst möchte erreichen, dass alle Teilnehmer persönlich betroffen sind."

Auch wenn es oft schmerzlich ist

"Nur die Wahrheit macht frei. Auch wenn es oft schmerzlich ist", fasste der Kardinal die kirchlichen Bemühungen in diesem Zusammenhang zusammen. "Wer geht schon gerne mit einem Skandal in der eigenen Familie an die Öffentlichkeit?" Umso notwendiger sei deshalb auch die Involvierung von kompetenten Laien bei Missbrauchsaufarbeitung und -prävention, so der Kardinal unter Verweis auf die nur aus qualifizierten Laien bestehende Unabhängige Opferschutzkommission unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic oder die Mitwirkung von kompetenten und weisungsfreien Laien in den diözesanen Ombudsstellen und Kommissionen in Österreich. (red/kathpress)

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