Wie sähe die Kirche ohne Frauen aus? Da kann man wohl nur mutmaßen - aber einen kleinen Vorgeschmack liefern deutsche Katholikinnen, die Anfang Mai zu einem Kirchenstreik aufrufen. Mission "Maria 2.0."

Es war Anfang Jänner, als ein Lesekreis katholischer Frauen der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde  beschloss: Es reicht! Schluss mit der andauernde Ausgrenzung von Frauen, mit den Missbrauchsfälle in der Kirche, Schluss mit "Evangelii Gaudium" ("Die Freude des Evangeliums"). Aus dem ewigen "Man müsste mal" wird ein '"wir machen es nun".  Die sieben Frauen rufen zu einem einwöchigen Kirchenstreik katholischer Frauen auf und nennen das ganze "Maria 2.0."

"Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird. Wir bleiben draußen! Wir feiern die Gottesdienste auf den Kirchplätzen, vor den Kirchentüren", stellen sie gleich zu Beginn klar. Mit weißen Tüchern als Symbol für den Neuanfang. Zeitgleich formulieren sie einen offenen Brief an Papst Franziskus, in dem sie die "vielen unbekannten Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art" und "deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger" anklagen.

Und sie fordern

Kein Amt mehr für Missbrauchstäter, -dulder und -vertuscher sowie die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte. Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Hier geht´s zum offenen Brief an Papst Franziskus

Wir streiken gegen die Struktur, nicht gegen Gott

Die Münsteranerinnen wollen mit ihrer Aktionswoche „sichtbar machen, was schon ist: nämlich dass wir draußen sind, keinerlei Entscheidungsmacht haben und nicht auf Augenhöhe mit den Männern unsere Anliegen zur Veränderung der Kirche einbringen können“, sagte die Künstlerin Lisa Kötter. Eingeladen sind alle - auch Männer, denn „wir streiken gegen die Struktur, die uns seit tausenden von Jahren draußen hält. Wir streiken nicht gegen Gott, nicht gegen Christus - im Gegenteil.“

Maria darf nur schweigen

"Maria 2.0, das sind alle, denen ihre Kirche zu sehr am Herzen liegt, als dass der stillschweigende Austritt eine Alternative wäre", betont Kötter. Und deshalb bleiben die Kirchen von 11. bis 18. Mai leer - zumindest mit Blick auf das weibliche Geschlecht. "Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen.  Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir", ist im offenen Brief zu lesen. (red/religion.orf.at)