Von 19. bis 26. Juni findet auf Kreta das erste Panorthodoxe Konzil der Neuzeit statt, bei dem die Oberhäupter und weitere Vertreter aller 14 unabhängigen orthodoxen Kirchen zusammenkommen. Bei diesem historischen Ereignis sollen verbindliche Beschlüsse für die Weltorthodoxie gefasst werden. Die Orthodoxie selbst spricht vom "Heiligen und Großen Konzil". Weltweit gibt es rund 250 bis 300 Millionen Orthodoxe. In Österreich leben bis zu 400.000 orthodoxe Christen.

Das Panorthodoxe Konzil war und ist keine leichte Geburt - schließlich ist es seit 1961 in Planung. Immer wieder erklärten mehrere der 14 Kirchen im unmittelbaren Vorfeld nun doch nicht an der historischen Versammlung teilnehme zu wollen, die übrigens die erste dieser Art in den vergangenen Jahrhunderten ist. Für allgemeingültige Beschlüsse ist aber die Zustimmung aller Teilkirchen erforderlich. Zuletzt hatten sich die Kirchen übrigens im Jahr 787 in Nicäa (in der heutigen Türkei) getroffen.

Panorthodoxes Konzil? Wofür?

Die orthodoxe Welt ist in mehr als ein Dutzend autonome und halbautonome Kirchen gespalten. Ziel des Konzils es war daher, die Einheit zu stärken. Beobachter berichteten aber von einem politischen Machtkampf zwischen der griechisch- und der russisch-orthodoxen Kirche.  "Der vorrangige Zweck und Sinn dieses Panorthodoxen Konzils ist es darzustellen, dass die orthodoxe Kirche die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche ist, geeint in den Sakramenten, besonders in der Göttlichen Eucharistie, im orthodoxen Glauben, aber auch in der Konziliarität", schreibt der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. in seiner Enzyklika zur Einberufung des Konzils. Er wird beim Konzil übrigens auch den Vorsitz führen.

350 Bischöfe

Rund 350 Bischöfe werden am "Heiligen und Großen Konzil" der orthodoxen Kirche teilnehmen. Aus Österreich nimmt nach derzeitigem Stand der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) teil. Die einzelnen Kirchen sind durch Delegationen von maximal 24 Bischöfen sowie ihrem Vorsteher vertreten; die kleineren Kirchen erreichen diese Zahl nicht. Abgestimmt wird nicht nach dem Mehrheitsprinzip; jede Kirche hat eine Stimme. Für Entscheidungen ist Einstimmigkeit vorgeschrieben. Als Gäste sind auch Vertreter anderer Kirchen eingeladen.

Das Konzil dauert von 19.bis 26. Juni. Die Liturgische Eröffnung des Konzils erfolgt am orthodoxen Pfingstsonntag (19. Juni) in der Hagios-Minas-Kathedrale in Heraklion. Die Arbeitssitzungen des Konzils finden vom 20. bis 25. Juni in der Orthodoxen Akademie in Kolymvari statt. Vorgesehen sind 17 Sessionen, zur Eröffnungs- und Schlusssitzung sind auch die eingeladenen „Beobachter“ aus den anderen Kirchen zugelassen. Den Liturgischen Abschluss bildet am 26. Juni eine Feier der „Göttlichen Liturgie“ in der Sankt-Peter-und-Paul-Kirche in Chania. Die Auswirkungen der Absagen auf das Konzil sind noch offen.

In Verbundenheit mit der Orthodoxie hatte die österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Sommervollversammlung  zum Gebet für die Vorbereitung und Durchführung der Panorthodoxen Synode aufgerufen (red/kathpress)

Weitere Informationen finden Sie unter www.orthodoxe-kirche.at