Suche Äpfel, biete Einmachgläser, tausche Tapeziertisch gegen Rasenmäher, biete ein offenes Ohr gegen Geschichten: Die Idee des Teilens ist alt – ihre regionale Verortung auf einer digitalen Landkarte allerdings hochaktuell.

Unser Bügeleisen ist hin. Wenn man versucht es einzustöpseln, fliegt einem die Sicherung um die Ohren – und zwar egal, an welcher Steckdose. Klar, das Ding ist alt. Man könnte es einfach ziehen lassen, sich ein neues aussuchen und gut ist gewesen. Theoretisch. Praktisch heißt das allerdings, dass man sich ein neues aussuchen muss – und jeder, der sich schon einmal in Bügeleisenabteilungen größerer Elektronikfachmärkte aufgehalten hat, weiß, was das bedeutet. Schöner wäre es, wenn es einfach wieder funktionierte.

Initiativen entdecken

Ein Traum, der in Erfüllung gehen könnte – im Repair-Café in Nenzing. Entdeckt habe ich es auf der SuSY-Map, einer digitalen Karte, auf der solche und andere solidarökonomischen Initiativen in ganz Europa verzeichnet sind.

„Gemeinsam ist den verzeichneten Unternehmungen, dass für sie die Bedürfnisse der Menschen und nicht die Bedürfnisse der Wirtschaft im Vordergrund stehen”, beschreibt Nora Niemetz, Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Südwind den Grundgedanken solidarökonomischen Handelns und Wirtschaftens.

Obst, Gärten, Einkauf

Seit 2015 hat Südwind in Kooperation mit NGOs aus 23 Ländern solidarökonomische Betriebe analysiert und kartographiert. In der seit wenigen Tagen online zugänglichen „SuSY-Map“ sind aktuell mehr über 1.230 Initiativen verzeichnet – davon 300 in Österreich und 39 in Vorarlberg.

Kennen Sie zum Beispiel schon die verschiedenen Gemeinschaftsgärten im Ländle – z. B. in Götzis, Sulz-Röthis oder Göfis? Wussten Sie vom Kostnix-Laden in Hard, der Einkaufskooperative KostBAR in Feldkirch, oder, aktuell besonders interessant, den Obstbörsen in Koblach oder Zwischenwasser, die Obstbaumbesitzer und Obstinteressenten ohne Garten zusammenbringen, auf dass sie die reiche Ernte miteinander teilen?

Alternativen mit Mehrwert

„Unser Ziel war es mit engagierten Menschen aus ganz Europa ein gemeinsames Karten-Ökosystem von alternativen Wirtschaftsmodellen zu schaffen”, erklärt Josef Kreitmayer von TransforMap, ein internationales Kartierungskollektiv, das die Karte „SuSY-Map” technisch umgesetzt hat.

Sozialökonomisches Denken und Handeln hat viele, viele Vorteile – für viele: Vorhandene Ressourcen – Obstbaumbestände, Ackerland, bereits produzierte Waren, besondere Fähigkeiten und Talente – werden optimal genutzt und deren Erträge gerecht verteilt. Natur und Geldbeutel dürfen durchschnaufen, wenn Dinge miteinander geteilt, untereinander weitergegeben oder repariert werden, statt sie immer wieder neu zu kaufen. Ach ja, und: Es macht Spaß – zu wissen, dass die überreiche Ernte nicht einfach unterm Baum vergammelt. Dass die ausgemusterten Einweckgläser anderswo wieder mit frischer Marmelade gefüllt werden. Dass das olle Bügeleisen vielleicht doch noch zu retten ist.

Zum Weiterlesen

Die SuSY-MAP online entdecken: Zur Karte »
Das regionale Äquivalent zur SuSY-Map heißt „Initiativenlandkarte“ und ist hier zu finden: Initiativenlandkarte »