Wie sollen ChristInnen in der Bundespräsidentenwahl entscheiden? Oft wurde in den vergangenen Wochen diese Frage gestellt. Dabei ist klar: Es geht nicht um eine eindeutige Wahlempfehlung, sondern um Kriterien für eine verantwortliche Entscheidung.

Willibald Sandler

Was Christen bei dieser Wahl spaltet: Es gibt verschiedene sensible Problembereiche, und im Blick auf diese scheinen beide Kandidaten teilweise für, teilweise gegen wichtige christliche Positionen zu sein. Deshalb reicht es nicht, die kontroversen Positionen einfach einander gegenüberzustellen. Es braucht Kriterien, wie man sie gewichten kann.

Schaut man auf das Thema Flüchtlingsfrage und Europapolitik, so erweist sich die Position von Norbert Hofer bei näherem Hinsehen als christlich unakzeptabel und Van der Bellen wäre der Vorzug zu geben. Beim Thema Ehe, Familie und Lebensschutz ist es umgekehrt.
Für viele Christen scheint sich deshalb eine „Wahl zwischen Pest und Cholera“ abzuzeichnen. Hier ist es sinnvoll, nicht nur die Positionen der Kandidaten einander gegenüberzustellen, sondern abzuschätzen, wie sich ihre Einstellungen auswirken können, wenn sie das Amt des Bundespräsidenten ausüben.

Eine solche Untersuchung macht deutlich, dass die Positionen der Kandidaten zum Bereich Flüchtlingsfrage und Europapolitik für eine künftige Amtsführung von zentraler Bedeutung sein werden, während der Einfluss des Präsidenten im Bereich von Ehe, Familie und Lebensschutz viel geringer sein wird.
Außerdem sind – im Blick auf die besondere Bedeutung des Bundespräsidenten als Brückenbauer – die Glaubwürdigkeit und der Kommunikationsstil der beiden Kandidaten miteinander zu vergleichen. Auch wenn beide Kandidaten bei der letzten, unmoderierten TV-Konfrontation auf ATV hier enttäuschten, gibt es doch bemerkenswerte Unterschiede.

Eine ausführliche Untersuchung, die die genannten Punkte inhaltlich ausarbeitet, gibt der Text  von W. Sandler: Wie können Christen wählen? Entscheidungskriterien zur Bundespräsidentenwahl 2016.

 
Weitere Texte des Autors zum Thema:

W. Sandler, Freunde der offenen Gesellschaft – Wie dem aktuellen Rechtspopulismus in
Österreich begegnen? Eine Replik auf Christian Bauer, in:
https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/1148.html, sowie in:
http://www.feinschwarz.net/leserbriefe-zu-feinde-der-offenen-gesellschaft

W. Sandler, „Ich war obdachlos, und ihr habt mich (nicht) aufgenommen.“ Christliches „Hinschauen“ in der Flüchtlingskrise