Kirchliche Familienarbeit kann sich sehen lassen. Von Mag. Stefan Schäfer, Theologe und Therapeut, Leiter der Lehranstalt für Ehe- und Familienberatung.

familieZu Recht wendet die Diözese Feldkirch einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen für die "Familienpastoral" auf. In unserer Herkunftsfamilie erfahren wir leibhaft, was unser Leben ausmacht und was zählt. Die Familien sind einerseits Ausgangspunkt allen Lebens und Raum, in dem wir am verletzlichsten sind. Elternschule, Purzelbaum Gruppen, eltern.chatt, Treffpunkte für Alleinerziehende, Familienurlaubswochen, Ehevorbereitungsseminare, Gigagampfa-Gruppen, Erstkommunion- und Firmvorbereitung - das ist nur ein Teil der Aktivitäten, die von den verschiedensten kirchlichen Einrichtungen für Paare, Eltern und Familien angeboten werden.

Gut zu wissen: Paare und Familien sind die größte Zielgruppe der kirchlichen Bildungsarbeit.

Die Herausforderung ist dabei die ‚doppelte Wandlung' der Familien, nämlich so: Aus Männern und Frauen werden Paare und sie bekommen Kinder. Das ist das Gleichbleibende aber die Formen und konkreten Gestalten wurde komplexer.
Zudem verwandelt sich eine Familie in sich und braucht - je nach Phase - etwas anderes. Paare vor der Hochzeit haben andere Bedürfnisse als jene in der Kleinkindphase oder als alleinerziehende Elternteile mit Kindern. Auch die Zugänge zu Familien, die in einer Talschaft oder einem Ballungsraum leben, sind anders.

mail+schmetterlingEin Blick in die verschiedenen Angebote, Programme und Ausbildungen der Kirche zum Thema Ehe und Familie gibt - wie ein Spiegel - die Probleme und Herausforderungen, die Möglichkeiten und Chancen der Familienbildung und -arbeit zu erkennen. Die Entwicklung der Elternschule in den letzten Jahren oder die Erweiterung des Projektes "Gigagampfa" sind nur zwei Beispiele für fachlich kompetente und realitätsnahe Differenzierungen. Die Familienbildung und -betreuung mit kirchlichem Hintergrund kann sich sehen lassen. Diese Professionalisierung wird an der so genannten "Ehevorbereitung" deutlich sichtbar. Zu Beginn der 70er Jahre waren Vorträge mit bis zu 40 Paaren an der Tagesordnung. Mit der Zeit wurde die Gruppengröße auf höchstens 10 Paare begrenzt und an Stelle des frontalen Vortrags trat ein Workshop-Konzept, das mit aktivierenden Methoden arbeitet und die Teilnehmer/innen in den Mittelpunkt stellt. Es geht heute um den Dialog mit und unter den Teilnehmern/innen. Das Aufeinander-Hören macht ihr Leben als Ort der Offenbarung Gottes begreifbar und gerade das zu ‚lernen' ist tragendes Element dieser Eheseminare.

buchrückenFestgemacht an der kirchlichen Sexualmoral und der Haltung den geschiedenen und wiederverheirateten Menschen gegenüber, ist ein deutlicher Vorbehalt zu spüren. Die Menschen trauen dem kirchlichen Angebot nicht zutraut, für sie offen und hilfreich zu sein. Welche Antwort auf diese Spannung in den Familienbildungsbereichen gefunden wird, hat Auswirkungen auf die erreichbaren Zielgruppen. Resümee: Unter kirchlicher Trägerschaft finden sich in unserem Land eine Vielzahl von Familienbildungsangeboten, die professionell die Herausforderungen der Familien in all ihren Formen berücksichtigen.

Erwachsenenbildner: fachliche Kompetenz und persönliche Haltung

Familienbildung braucht fachlich kompetente Referenten/innen. Mit dem Lehrgang "Team-, Gruppen- und Seminarleiter" (seit 1980) trägt und unterstützt die Diözese neben anderen Oualifizierungsmöglichkeiten einen Lehrgang, der auf die Familienbildung zugeschnitten ist. Geeignet für Haupt- und Ehrenamtliche wird die fachliche Kompetenzerweiterung begleitet durch die persönliche Entwicklung.

Ausbildung: Team-, Gruppen- und Seminarleiter /Beginn: Februar 2009

Informationen: T +43 664 27957 36 bzw. http://www.fga.at

Der Beitrag ist in der Jubläumsausgabe des Vorarlberger KirchenBlattes (Nr. 9 / 8. Dez. 2008) erschienen.