Wolfgang Weirer nimmt die Zukunft des Religionsunterrichts in den Blick. Im Rahmen des Herbstsymposiums sprach Wolfgang Ölz mit dem Religionspädagogen.

Im Rahmen des Herbstsymposions vertrat Prof. Wolfgang Weirer (im Bild unten) eine interessante und differenzierte Position zur Frage der Zukunft des Religionsunterrichts. Das Kirchenblatt sprach mit dem Grazer Religionspädagogen über eine neue Sicht auf die schulische Glaubensvermittlung.

Zum gesamten Tagungsthema, dass nämlich katholische Selbstverständlichkeiten zu Ende sind, sagt Prof. Weirer sehr klar: Die prägende Dominanz der katholischen Kirche, das Monopol der klassischen Kirchen in Bezug auf Religion ist vorbei. Er zentriert seine Sicht der Dinge um den Begriff der Pluralität. Sie soll auch als große Chance und positive Herausforderung für die katholische Kirche aufgefasst werden.

Die Situation wird in zehn, fünfzehn Jahren tatsächlich eine ganz andere sein, wie sie gegenwärtig ist. Die Pluralität betrifft nicht nur die unterschiedlichen Konfessionen und Religionen, sondern spielt sich sehr stark auch im eigenen, katholischen Bereich ab. Gemeint ist die Art und Weise, wie frei Menschen ihre eigene Religiosität leben.

Weirer WolfgangZur Zukunft des Religionsunterrichts sagt Prof. Weirer: „Ich glaube, dass der Religionsunterricht ganz wesentlich, auch in der gegenwärtigen Situation und sicher auch in zehn Jahren, ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Schulwesens ist und sein wird, weil die religiöse Deutung menschlicher Erfahrung ganz wesentlich zu einem ganzheitlichen Bildungsverständnis dazugehört. Das wird auch in Hinkunft nur im Religionsunterricht geschehen.“  Beinahe alle Lehrpläne in Österreich sehen in diesem Zusammenhang die Schüler/innen im Zentrum des Religionsunterrichts, ihr Leben und ihr Glaube. Die Deutung des Lebens der Schüler soll dabei aus der „Perspektive unseres christlichen Glaubens geschehen“.

Werden Sie Religionslehrer/in!

Der Religionsunterricht ist kein „Instrument der Kirche zur eigenen Nachwuchsrekrutierung“, sondern es geht um einen Religionsunterricht mit „einer ganz klar diakonischen Funktion“, d.h., dass der Religionsunterricht Dienst der Kirche an den Schülerinnen und Schülern, an der Schule, an der Gesellschaft ist.

Einen Trend zur Abschaffung des Religionsunterrichts sieht Prof. Weirer mittelfristig nicht. Alle Theologinnen und Theologen, die sich auf der Grundlage des zweiten Vatikanums darauf einlassen, Sehnsüchte, Freuden und Leiden der jungen Menschen zu teilen, ermutigt der Religionspädagoge weiterhin, den Beruf des Religionslehrers zu ergreifen.
Die Gemeinden sind angefragt,  Modelle gelungenen christlichen Glaubens und Miteinanders bereitzustellen. Christliche Sozialisation als Ganzes ist im Religionsunterricht nicht herstellbar. Kinder und Jugendliche sollen in einer Pfarre nicht irgendwelche Leistungen erbringen, sondern sie sollen erstens einmal herzlich willkommen sein.

Wolfgang Ölz

(aus KirchenBlatt Nr. 36 vom 12. September 2010)

Hier finden Sie Stimmungsbilder und Materialien zum Herbstsymposion 2010.