In Europa geraten pro Jahr etwa 500.000 Menschen in die Hände von Schleppern. Die Opfer werden als Arbeitssklaven in Haushalten oder Betrieben ausgebeutet oder landen in der Zwangsprostitution. Ein Ausstieg gelingt selten. KirchenBlatt Bericht von Susanne Huber.

Weltweit werden laut Schätzungen der ILO jährlich 2,4 Millionen Frauen, Männer und Minderjährige Opfer von Menschenhandel. In Europa sind davon etwa 500.000 Personen betroffen. Die katholische Kirche in Österreich will nun verstärkt dagegen ankämpfen.

Zu Beginn war da eine große Hoffnung.
Die Hoffnung, der Armut, der Arbeitslosigkeit, der ausweglosen Situation ohne Zukunftschance zu entkommen. Sie heißen Milena, Tanja, Ilona, Anna, kommen aus Rumänien, Ungarn, Bulgarien, der Ukraine, aus Afrika. Sie stehen für jene Frauen, vermehrt auch Männer, die den verlockenden Angeboten nachgekommen sind, in Österreichs Gastgewerbe viel Geld verdienen zu können. Dem gewagten Schritt ins Ungewisse folgt für viele Betroffene ein bitteres Martyrium in den Fängen von Menschenhändlern, das all die Hoffnungen auf ein besseres Leben jäh zunichte macht.

Zwang.
Damit die jungen Frauen und Männer, oft auch Minderjährige, nicht flüchten, wird ihnen der Pass abgenommen; sie werden eingesperrt, durch Gewalt und Missbrauch eingeschüchtert, gezwungen, im Bordell oder als Arbeitssklaven zu arbeiten und das Geld, dass sie verdienen, abzugeben; es wird gedroht, falls sie weglaufen oder irgendjemanden etwas erzählen, passiert ihren Familien in der Heimat Schlimmes. Aus Angst fügen sich die Opfer. Den Fängen der Menschenhändler zu entkommen, ist schwierig, gelingt selten.

Sr. Silke Mallmann, Wernberg

Schwester Silke Mallmann
leitet die Beratungsstelle "Talitha"

Große Scham. Es sind traurige Geschichten, die Schwester Silke zu Ohren bekommt. „Menschenhandel passiert immer unter Vorspielung falscher Tatsachen. Da ist ganz viel Betrug dabei“, so die Ordensfrau der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Wernberg. Seit ein paar Monaten arbeitet sie in einer Caritas-Beratungsstelle gegen Menschenhandel. „Die Frauen, denen es gelungen ist zu entkommen, sind eingeschüchtert, haben Schuldgefühle und große Scham. Zu sagen, ich arbeite in der Prostitution, ist schon schlimm. Aber zu sagen, mein Mann hat mich verkauft, ist noch viel schlimmer. Auch solche Fälle gibt es. Die Arbeit ist schwierig, weil das Milieu so zäh, so undurchschaubar ist. Doch jeder kleine Erfolg bringt uns einen Schritt näher, gegen dieses Verbrechen anzukämpfen“, so Schwester Silke.

Sklaverei.
Dieses Tabuthema bewusst zu machen, sei wichtig. „Menschenhandel passiert nicht weitab irgendwo, sondern auch bei uns. Es ist ein schwerwiegendes Verbrechen, moderne Sklaverei. Für die Täter ist es ein lukratives Geschäft. Menschenhandel ist weltweit die größte kriminelle Einnahmequelle nach dem Drogenhandel. Solange es Nachfrage gibt, wird es auch ein Angebot geben. Wir haben Strukturen in der Welt, wo die einen sich auf Kosten der anderen bereichern können. Da heißt es gegenzusteuern. Generell ist die Armutsbekämpfung, die Mitarbeit an einer gerechteren Verteilung von Gütern für eine gerechtere Welt entscheidend. Und die Betroffenen müssen besser geschützt, die Täter massiv bestraft werden“, fordert die Ordensfrau.

Zur Sache

Kirche aktiv gegen Menschenhandel

Im Zuge des „Runden Tisches“ gegen Menschenhandel, der von der Österreichischen Bischofskonferenz auf Initiative der Kommission Iustitia et Pax im März 2009 eingerichtet wurde, ist innerhalb eines Jahres manches in Bewegung gekommen. Es gab Informationen, Hintergrundgespräche und Veranstaltungen, um die Öffentlichkeit auf das Thema Menschenhandel aufmerksam zu machen.

Im November 2009 wurde mit der Beratungsstelle „Talitha“ der Kärntner Caritas ein Pilotprojekt gegen den Menschenhandel gestartet. Ziele sind u. a. Ausstiegshilfen für die Betroffenen zu schaffen, sie zu beraten und zu begleiten. Schwester Silke Mallmann vom Orden der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut ist Verantwortliche dieser Initiative.

Weitere Projekte gegen den Menschenhandel sind von der Caritas Tirol und dem Frauenorden der Salvatorianerinnen geplant. Gemeinsam mit anderen Initiativen und Organisationen setzt sich die Kirche auch für eine Verbesserung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Opfer von Menschenhandel in Österreich ein. 

  • „Talitha“ – Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen und Betroffene von Menschenhandel,
    24 h Notruf: 142, Tel: 0463/55560-36, Mobil: 0676/87727062, sr.smallmann@caritas-kaernten.at
  • Verein „Exit“ gegen Menschenhandel, Tel: 01/8950875, 
    www.adesuwainitiatives.org
  • IBF – Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels,
    Tel: 01/7969298, E-Mail: ibf@lefoe.at