EsMaBaMa - klingt irgendwie wie ein Tanz oder wie eine, vom Aussterben bedrohte, Lamaart. Vielleicht auch wie ein ausgefallener, neuartiger Cocktail. Oder, als ob der Redakteurin die Tastatur aus den Händen geglitten wäre. Bei genauerem Hinsehen und Hinhören steckt jedoch etwas anderes dahinter. Nämlich Leben. Überleben.

Simone Rinner

Hinzuhören lohnt es sich auch, wenn Padre Ottorino Poletto von seinem Leben erzählt. Das ist nämlich eng mit „EsMaBaMa“ verknüpft. Dieses Wort entsteht, wenn die Anfangsbuchstaben der vier Missionsstationen Estaquinha, Machanga, Barada und Mangunde zusammengefügt werden. In der Provinz Sofala. Weit, weit weg. In Mosambik.

Das Land des Lächelns. Mosambik ist ein Land mit traumhaften weißen Sandstränden, mit abgeschiedenen Inselwelten und menschenleeren Lagunen. Ein Land mit Nationalparks und Safaris, das zum Entspannen und Erkunden einlädt. „Pures Afrikafeeling“ versprechen diverse Urlaubsanbieter im „Land des Lächelns“. Kein Wort von der Flutkatastrophe im Winter 2000 oder dem Bürgerkrieg, der 15 Jahre lang wütete und dessen Spuren nach wie vor zu sehen und zu spüren sind.

Charisma. Wenn man Mosambik mit den Augen von Padre Ottorino sieht, zeichnet sich schnell ein anderes Bild: Eines, in dem Hunger und Krankheiten das Leben der Menschen bestimmen. Vor genau 20 Jahren kam der Italiener nach Mosambik - 1991, als der Bürgerkrieg immer noch im Gange war. Er habe darum gebeten, erklärt er im KirchenBlatt-Gespräch. Warum? „Charisma“ kommt schnell als Antwort zurück. Er gehöre zu den Comboni-Missionaren  und sehe es als seine Aufgabe, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Und der Krieg samt seinen Folgen konnte durchaus als „schwierige Situation“ bezeichnet werden.

Otto

„EsMaBaMa Projekt“. Padre Ottorino fuhr also nach Mosambik und gründete dort, gemeinsam mit der Erzdiözese von Beira, das „EsMaBaMa Projekt“. Ziel war es, die vier Missionen, die durch den Krieg fast vollständig zerstört waren, wieder aufzubauen - mit allem was dazugehört: Schulen, Gesundheitszentren und Infrastruktur. Mittlerweile hat Padre Ottorino Unterstützung erhalten. Beispielsweise von der Caritas Vorarlberg und Missio.

(Bild/Fehle)


Situation wie vor 20 Jahren. Gemeinsam haben sie Projekte auf die Beine gestellt, um gegen die drei Hauptprobleme der Menschen in Mosambik anzukämpfen: Wasser, Aids und Hunger. Es gebe nicht genügend Wasser, erklärt Padre Ottorino. Weder Trinkwasser, noch Wasser, um Landwirtschaft zu betreiben, von der man leben könnte. Ein Problem, das in Mosambik allgegenwärtig ist, ebenso wie der Hunger. „Die Situation ist die gleiche wie vor 20 Jahren“, meint Padre Ottorino: „Wenn es regnet, gibt es Ernten und die Menschen können essen. Wenn es nicht regnet, leiden sie Hunger.“ 

Mais für Reis. Um eine gewisse Nahrungsmittel-Sicherheit zu gewährleisten, arbeitet Padre Ottorino seit acht Jahren mit der Caritas Vorarlberg zusammen. Mais und Reis gehören in Mosambik zu den Hauptnahrungsmitteln und so ist es nicht verwunderlich, dass sich das Projekt um sie dreht. Während Reis in Barada, im Tiefland gut gedeiht, fühlt sich Mais eher im Hochland, wo die anderen drei Missionen liegen, wohl. Ein Austausch zwischen den Missionen sichert 2.500 Schüler/innen in den Internaten der Missionen die dritte Mahlzeit am Tag.

Glück im Unglück. Die Internate sind in Mosambik für Kinder die einzige Möglichkeit auf Bildung. Meist sind für die Eltern jedoch die regelmäßigen Mahlzeiten der ausschlaggebende Grund, ihre Kinder zur Schule statt auf den Acker zu schicken. Für die Mädchen, die sonst keine Chance auf Bildung hätten, Glück im Unglück. Dennoch liegt die Analphabetenrate im ländlichen Gebiet nach wie vor bei über 60 Prozent.

Gesundheitszentren. Krankheiten gehören in Mosambik ebenfalls zum Alltag: Malaria und Cholera, vor allem aber Aids bedrohe das Leben von 17 Prozent der Bevölkerung Mosambiks, erklärt Padre Ottorino: „Wo wir arbeiten, sind es sogar 26 bis 30 Prozent“. In jeder Mission gibt es nicht nur Schulen, sondern auch ein Gesundheitszentrum. Dort werden verschiedenste Krankheiten behandelt, antiretrovirale Medikamente ausgegeben und Aufklärung betrieben. Ein besonderes Anliegen ist Padre Ottorino die Geburtenstation, in der Frauen nicht nur Vorsorge-Untersuchungen, sondern auch Hilfe bei der Entbindung erhalten. Selbst hier ist Aids allgegenwärtig, da etwa 25 Prozent der Mütter am HI-Virus leiden und ihre Babys oft unwissentlich damit anstecken. Jeden Monat zählt man in den vier Missionen etwa 80 Neugeborene.

Thanks God. Trotz, oder vielleicht wegen all dieser Probleme spielt Religion für die Menschen in Mosambik eine wichtige Rolle. „Religion ist Teil des Alltags, der Kultur, der Mentalität“, erzählt Padre Ottorino. Gott sei immer dabei, schließlich ende jedes Gespräch mit einem „Thank God“ - Gott sei Dank.

100.000 km im Jahr. Als einziger Comboni-Priester in den Missionen ist Padre Ottorino immer auf Achse - im wahrsten Sinne des Wortes, denn sein Pastoralgebiet umfasst 20.000 km², eine Fläche, fast acht Mal so groß wie Vorarlberg. Um diese Distanzen zu bewältigen, hat Padre Ottorino ein Auto, mit dem er im Jahr etwa 100.000 km zurücklegt. Zwei bis drei Tage die Woche verbringt er in der Stadt Beira, wo sein Büro liegt, den Rest der Zeit sieht er in den anderen Missionen nach dem Rechten. Und am Wochenende? „Da gehe ich in erster Linie meiner pastoralen Arbeit nach.“

Jedes Jahr kommt Padre Ottorino zwei Mal nach Vorarlberg und besucht Kooperationspartner wie die Caritas Vorarlberg. „Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit den Vorarlbergern“, erklärt er, „Thank God“.

Weitere Informationen über das Projekt: www.esmabama.org

(aus KirchenBlatt Nr. 30 vom 31 Juli 2011)