Von der Kerze am Altar bis zum Becher beim Pfarrfest, von der Kirchenheizung bis zum E-Bike des Pfarrers, vom Druck des Pfarrblatts bis zur Reinigung des Pfarrheims - überall stehen Pfarrverantwortliche vor Entscheidungen, die Auswirkungen auf das Klima haben. So gilt es, wach zu sein und nachzudenken, sich zu informieren und auszutauschen. All dies taten die Teilnehmer/innen beim Vernetzungstreffen am vergangenen Freitag in St. Arbogast.

Patricia Begle

Begonnen wurde mit einem spirituellen Impuls. Jürgen Mathis, Verantwortlicher von „einfach.fair.leben“, stellte in seinen Gedanken die „Umkehr des Herzens“ ins Zentrum. Dabei geht es um die Überwindung des Individualismus zugunsten einer globalen Solidarität. Ermöglicht wird diese durch eine Mystik der gegenseitigen Verbundenheit und einer Haltung der Dankbarkeit. Daraus erwachsen die Übernahme von Verantwortung und ein Lebensstil, der andere im Fokus hat.

Strukturiertes Vorgehen.

Wie ein solcher Lebensstil ganz konkret aussehen kann, darüber erzählte Josef Burtscher, der an diesem Abend für das Impulsreferat eingeladen war. Der Geschäftsführer des Energieinstitutes Vorarlberg nannte dafür Beispiele nachhaltigen Handelns - sowohl bei ihm Zuhause als auch in seinem Institut. Schließlich erläuterte er wichtige Schritte, die zu erfolgreichem Umsetzen von Ideen führen. Ausgehend von einem Ziel, das eine Organisation sich setzt, sucht sie für dessen Umsetzung einen sogenannten „Kümmerer“, den sie mit Ressourcen und Vertrauen ausstattet. Dieser wiederum organisiert sich ein Team, sucht Expert/innen, analysiert die Lage, erarbeitet Maßnahmen, setzt Prioritäten. Die Vorgehensweise ist also strukturiert, sodass Ziele erfolgreich umgesetzt werden können.

Klarer Auftrag ist wichtig.

Der zweite Teil des Abends stand dann ganz im Zeichen des Austausches. Die Vertreter/innen der zehn Pfarren erzählten von dem, was bisher geschehen ist und wie ihre Situation derzeit aussieht. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich der Stand der Pfarren ist. Manche sind schon jahrelang mit einem Team unterwegs, andere haben gerade mit einer Gruppe angefangen. Was der Arbeit grundsätzlich eine konstruktive Basis verschafft, ist ein Grundsatzentscheid des Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrates. Wo dieser fehlt, sind viele mühsame Kämpfe vorprogrammiert. Gekämpft wird vielerorts auch mit der Haltung „Das war schon immer so“ bzw. mit der Priorität „Es muss billig sein“. Hier ist Geduld und Diplomatie gefragt, manchmal muss eine Person auch in Pension gehen, damit Dinge anders gemacht werden können. „Man darf nie aufgeben“, ist eine Teilnehmerin überzeugt. Eine andere erzählte, dass viel Veränderung möglich war, weil sich Engagierte hinstellten und sagten: „Das wollen wir einfach nicht mehr!“ So wurden Brot und Fleisch nicht mehr im Großhandel eingekauft, sondern bei Handwerkern im Dorf.

Kooperationen.

Unterstützt wird die Arbeit der pfarrlichen Teams auch durch Kooperationen - mit Gemeinden, Vereinen, Welt- oder Bioläden. Es gibt viele Engagierte, wenn es um fairen und nachhaltigen Lebensstil geht. Vernetzen heißt das Gebot der Stunde. Das reduziert den Aufwand und ist überaus motivierend. Und schließlich gibt es von diözesaner Seite Hilfestellung - sowohl in Form von Beratung und Vernetzung als auch in finanzieller Hinsicht (siehe unten).
Das Treffen zeigte die Kreativität der pfarrlichen Teams, auf ganz unterschiedliche Weise wird ökosoziales Handeln umgesetzt: Repaircafé in Nenzing und Kleidertauschparty in Thüringen, Photovoltaik-Anlage in Sulzberg und bienenfreundliche Begrünung in Hard. In der Bodenseegemeinde wurde auch die Reinigung umgestellt. Eine ortsansässige Firma stellte dafür nicht nur die Mittel, sondern auch gleich Geräte und vor allem Know-how zur Verfügung. Die Ideen gehen nicht aus, der lange Atem auch nicht. «

Zur Sache: f5-Pfarrgemeinden

Analog zu e5-Gemeinden richten f5-Pfarrgemeinden ihr Handeln an ökosozialen Leitlinien aus. Diese umfassen die Bereiche Team und Öffentlichkeitsarbeit, Energie, Beschaffung, Mobilität und Umgang mit kirchlichen Ressourcen. Die Diözese Feldkirch unterstützt dieses Handeln finanziell und übernimmt 35% der Anschaffungskosten bzw. 35% der Mehrkosten, die entstehen, wenn auf fair gehandelte Produkte gewechselt wird. Detaillierte Infos sowie Beispiele aus Vorarlberger Pfarren finden Sie unter
www.einfach-fair-leben.at