Bischof Benno Elbs im inpuncto-Gespräch über seinen persönlichen Umgang mit der Krise, über Ängste und Solidarität und über die große Kraft des Glaubens und vor allem der Oster-Botschaft.

Interview: Dietmar Steinmair

Das Corona-Virus hat das Leben in Vorarlberg in den letzten Wochen auf den Kopf gestellt. Wie gehen Sie persönlich mit den gesetzten Maßnahmen um – und wie sehr schränken die Maßnahmen Sie auch in Ihrer Arbeit ein?
Benno Elbs: Mir geht es im Moment wahrscheinlich ähnlich wie vielen Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern: Mein Tagesablauf hat sich erheblich verändert. Von zu Hause zu arbeiten, ist auch für mich eine neue Erfahrung. Unsere internen Absprachen führen wir im Moment großteils über Video-Konferenzen bzw. per E-Mail durch. In jedem Fall ist es wichtig, den Tag gut zu strukturieren und einzuteilen. Drei Schwerpunkte habe ich mir gesetzt: Meditation, Arbeit und Bewegung.

Jede Krise löst Ängste und mitunter auch irrationale Reaktionen aus. Gleichzeitig erleben wir eine Welle der Solidarität und Nächstenliebe. Wie sind die beiden gegensätzlichen Reaktionen aus spiritueller und aus psychologischer Sicht zu deuten?
Elbs: Reaktionen auf Angst und Unsicherheit sind oft irrational. Es ist verständlich, dass Menschen, die Angst um ihre Existenz haben, dazu neigen, sich abzusichern. Gleichzeitig ist die Gefahr groß, nur auf sich selbst zu schauen und die anderen, oft benachteiligten Menschen aus den Augen zu verlieren. Dadurch entstehen Konflikte. Es ist die gemeinsame Aufgabe unserer Gesellschaft, darauf zu achten, dass wirklich alle gut durch diese Krise kommen. Die vielen Aktionen der Nachbarschaftshilfe, etwa das „#TeamNächstenhilfe“ der Caritas, sind beeindruckend, weil dadurch ältere und besonders verletzliche Personen die Möglichkeit haben, wirklich zuhause zu bleiben und sich zu schützen. Initiativen wie diese, die Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe fördern, zu stärken, ist für mich eine wichtige Aufgabe von Meinungsbildnern und Seelsorgern: Hoffnung zu vermitteln, zu Mitmenschlichkeit aufzurufen und natürlich mit gutem Beispiel voranzugehen.

Wie helfen Religion und Glaube in der Krise? Macht der Glaube gelassener?
Elbs: Der Glaube kann in Krisenzeiten eine wichtige Ressource sein, weil er uns daran erinnert, dass Gott auch in den schwierigen Momenten unseres Lebens an unserer Seite ist. Gott lässt die Welt nicht im Stich. Viele Menschen schöpfen aus dieser Botschaft Kraft und Hoffnung. Sie kann auch zu einer größeren Gelassenheit führen. Am Beginn der aktuellen Krise hat eine Dame in einem Interview gesagt: „Ich bin eine gläubige Frau, ich habe keine Angst. Der Herrgott lässt uns nicht allein.“ Das hat mich berührt. Besonders bei Menschen, die in ihrem Leben schon so manche Krise überstanden haben, spüre ich immer wieder, dass sie durch ihren tiefen Glauben Kraft und oft auch eine gewisse Leichtigkeit bekommen.

Ostern steht vor der Tür und mit diesem Fest auch die christliche Botschaft, dass das Leben stärker ist als der Tod. Wie werden Sie heuer Ostern feiern?
Elbs: Wie jedes Jahr so sind auch heuer die Gottesdienste in der Heiligen Woche die Fixpunkte, auf die diese Tage ausgerichtet sind. Dass sie diesmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, ist für mich – und für viele andere auch – sehr schmerzlich. Umso dankbarer bin ich, dass alle Gottesdienste aus dem Bischofshaus via Radio übertragen werden. Ostern wird auch in diesem Jahr gefeiert – und ich hoffe, dass uns allen gemeinsam mit dem auferstandenen Christus kleine oder große Auferstehungserfahrungen geschenkt werden, die uns stärken auf dem Weg in die Zukunft.

inpuncto: trotzdem ostern

Österreichs Kirchenzeitungen haben gemeinsam mit Fachleuten für Liturgie das Magazin inpuncto "trotzdem ostern" gestaltet. Es bietet Anregungen und Hilfen, die Kar- und Ostertage zu Hause zu feiern. Mehr dazu: www.meinekirchenzeitung.at »

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(aus dem inpuncto "trotzdem ostern" vom April 2020)