Rund 5000 Freiwillige sorgen in Lourdes dafür, dass die Kranken gut betreut sind und die Feiern in geordnetem Rahmen ablaufen können. Rund 20 Vorarlberger/innen haben sich für diesen Helferdienst schon zur Verfügung gestellt. Im KirchenBlatt-Gespräch erzählen drei von ihnen von Betten und Bädern, von Dankbarkeit und Demut.

Patricia Begle

„Einmal Lourdes, immer Lourdes“, bringt Angelika Bickel ihre Erfahrung auf den Punkt. Schon seit elf Jahren fährt die Raggaler Pensionistin mit ihrem Mann Norbert einmal im Jahr zum wohl berühmtesten Pilgerort Europas. „Es ist kein Urlaub“, erklärt sie. Die beiden sind auch keine Pilger. Sie sind Helferin und Helfer.

Logistische Herausforderung
Über Baronin Adelheid von Gemmingen, deren Familie eine Jagd im Großen Walsertal besitzt, haben die beiden von den Helferdiensten erfahren. Die Baronin leitet die „Deutsche Hospitalité“, ein Verein, der deutschsprachige Helfer/innen unterstützt.  In Lourdes haben sich zahlreiche Organisationen zur „Hospitalité Notre Dame de Lourdes“ zusammengeschlossen, organisieren und koordinieren die Dienste. So wird es möglich, dass die logistische Herausforderung von 20.000, manchmal sogar 40.000 Pilgernden pro Tag gemeistert werden kann. 

Arbeit
Die Helfer/innen müssen für Unterkunft, Verpflegung und Flug selbst aufkommen. Eingesetzt werden sie in unterschiedlichen Aufgaben: Mithilfe in den Krankenherbergen, in den Bädern, bei Krankentransporten oder bei liturgischen Feiern. Für Neueinsteiger findet an den ersten fünf Vormittagen die sogenannte „Formation“ statt - eine Einführung in die Aufgaben und ein Vertrautmachen mit dem Pilgerort.

Demut
Der „Arbeitsplatz“ für Angelika Bickel ist die Krankenherberge. Geschirr abräumen, Betten machen, Boden reinigen - für die Raggalerin sind dies vertraute Arbeiten. Da sie selbst jahrelang Zimmer vermietet hat, ist sie hier quasi „Expertin“. Dennoch gilt es, die Arbeiten so auszuführen, wie die Leiterin der Abteilung es vorgibt. „Das ist Demut“, erklärt die Pensionistin, „nicht vorlaut sein, tun, was es braucht.“

Kontakt
Tun, was es braucht ist auch bei der Begleitung der Kranken oberste Richtlinie. Norbert Bickel kommt bei seiner Arbeit ganz nah mit diesen in Kontakt. Er arbeitet im Bad. Der Ablauf an diesem Ort ist ein spezieller: die Pilger kommen in die Umkleidekabine und legen ihre Kleider ab, ein Helfer bzw. eine Helferin umhüllt sie mit einem Tuch, ein Gebet wird gesprochen und dann werden sie ins Wasser getaucht. Kann ein Mensch nicht selber gehen, wird er auf ein Tuch gelegt und so ins Wasser getragen. Sieben Leute braucht es dafür, weiß Norbert Bickel. Was er dort erlebt, beeindruckt ihn tief. Er erinnert sich zum Beispiel an einen Italiener, der schon seit 30 Jahren nach Lourdes kommt und nach dem Bad Witze erzählt. „Es hat mich fasziniert: er ist so schwer behindert und so fröhlich.“

Atmosphäre
Auch Rudi Siegl arbeitete im Bad. Es war sein erster Einsatz als Helfer, er kannte den Ort zuvor nur als Pilger. „Es ist eine unwahrscheinliche Achtsamkeit und Liebe, mit der die Pilgernden im Bad begleitet werden“, erzählt er. „Als Helfer sehen wir die andere Seite, wir erleben mit, was es heißt, krank zu sein und Hoffnung zu haben.“ Die Kranken geben dem Pilgerort eine besondere Atmosphäre. „Es ist ein anderer Stil, alles ist langsamer und ruhiger - das ist auch für die Gesunden besser.“

Versprechen
Nach fünf Jahren können die Helfer/innen eine Vereinbarung, das sogenannte „arrangement“ treffen. In einer Feier versprechen sie, solange sie können, einmal im Jahr nach Lourdes zu kommen. Für Angelika Bickel war das Versprechen schwierig. Erst als ein Priester ihr erklärte, dass sie „Lourdes auch in ihrer Heimatpfarre leben könne“ - hat sie das Versprechen gegeben. Von ganzem Herzen.

KirchenBlatt-Reise nach Lourdes

13. bis 17. Mai 2019
mit Pfr. Rudi Siegl

(Artikel aus dem KirchenBlatt Nr. 27 vom 5. Juli 2018)