Marlies Enenkel-Huber übernimmt bei der Caritas Vorarlberg die stark gewachsene Pfarrcaritas. Was ihr persönlich wichtig ist und wo sie in ihrer neuen Aufgabe Akzente setzen will, erzählt sie in diesem Interview. Die Aufgabe ist groß, denn von insgesamt rund 1000 Freiwilligen der Caritas Vorarlberg sind ca. 400 Freiwillige in der Pfarrcaritas engagiert.

Wolfgang Ölz

Die Pfarrcaritas versteht sich als Servicestelle für Pfarren - besonders in den Bereichen Diakonie und der Arbeit mit Freiwilligen-Netzwerken. Diese Netzwerke umfassen SozialpatInnen, VorlesepatInnen,  Seniorenerholungswochen, ProLehRe, eine Initiative für junge geflüchtete Menschen, die in Lehren vermittelt und von Freiwilligen begleitet werden, und vielen Initiativen und Projekten mehr. Ein Schwerpunkt der Pfarrcaritas ist beispielsweise auch das Projekt LE.NA, was so viel bedeutet wie „Lebendige Nachbarschaft“. Mit LE.NA will die Caritas auf die zunehmende Einsamkeit und Isolation reagieren. Die Einsamkeit steigt nämlich, egal in welcher sozialer Schicht oder welcher Altersgruppe, jede und jeder kann betroffen sein. Heute leben viele Frauen und Männer - auch begünstigt durch Mobilität bzw. Globalisierung - im Ausland und können den älter werdenden Eltern im mühsamer werdenden Alltag nicht beistehen. Dabei soll das Rad im Einsatz gegen die Einsamkeit nicht neu erfunden werden, sondern mit Partnern vor Ort nach Lösungen gesucht werden. In Rankweil beispielsweise existiert bereits ein vorbildliches LE.NA-Netzwerk, das Pfarre, Gemeinde, Institut für Sozialdienste und Krankenpflegeverein verbindet, um lebendige Nachbarschaftshilfe wirklich zu leben.

Die Bildungsangebote der LernWerkstatt für Freiwillige gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet der Pfarrcaritas. Auch die Caritas-Sammlung der Inlandshilfe im März ist Teil der Agenda. Die Caritas-Sammlung hat allerdings oft mit Gegenwind zu kämpfen, so Marlies Enenkel-Huber. Einerseits wird es schwieriger, SammlerInnen zu finden, und andererseits sind die SammlerInnen seit dem Verflachen der Willkommenskultur von 2015 nicht selten mit kritischen Stimmen konfrontiert, die die Caritas als Institution zu sehr auf die Flüchtlingsfrage fokussieren und diffamieren. Auch wenn dieser Trend, bedingt durch die sinkenden Asylanträge, in letzter Zeit wieder abnimmt.

Beheimatet in der Kirche

Marlies Enenkel-Huber gehört zu jenen Caritasmitarbeiterinnen, die ihr Engagement aus der Nachfolge Jesus verstehen. Ihre Kraftquelle war immer schon ihre christliche Lebensphilosophie und ihre Beheimatung in der katholische Kirche, aber natürlich auch ihre Familie - ihre Kinder sind 12 und 19 Jahre alt. Außerdem nennt Marlies Enenkel-Huber das Wandern in der Natur und das Singen, bei dem sie auftanken kann. Die Seligpreisungen sind für sie eine ganz zentrale Botschaft. Die sieben Werke der Barmherzigkeit sieht sie als Richtschnur. Sie verwendet dabei eine von der Caritas erstellte, verheutigte Liste. Diese Aufzählung reicht von „Heute einem Menschen sagen: Du gehörst dazu“ bis zu „Heute einem Menschen sagen: Ich bete für dich.“

Marlies Enenkel-Huber bemüht sich  Menschen zu sensibilisieren, die Not anderer Menschen zu sehen und als Freiwillige unkompliziert zu helfen. Für diese anspruchsvolle Aufgabe werden sie geschult und während ihrer Einsätze begleitet. Da geht es nicht ums Geld, sondern darum, mit den Leuten über soziale und, wenn gewünscht, auch religiöse Themen ins Gespräch zu kommen.
Die Zukunft der Caritas sieht Marlies Enkel-Huber in der Pfarrcaritas vor Ort. Hier sollen die Menschen spüren: Die Caritas ist da und tut etwas gegen die ganz konkrete Einsamkeit und Isolation. Dafür gibt es Büros in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz, die LE.NA Projektgemeinden und vor allem das Netzwerk der Freiwilligen der Pfarrcaritas vor Ort.

Hintergrund der Geschichte

Marlies Enenkel-Huber ist seit fünf Jahren bei der Caritas und hat hier ursprünglich die Teamleitung der SozialpatenkoordinatorInnen als Teil der Pfarrcaritas geführt. Die Pfarrcaritas ist nun in ihren verschiedenen Projekten so gewachsen, dass Ingrid Böhler neben der Leitung des Bereichs „Pfarrcaritas und sozialräumliches Handeln“ den Teilbereich Pfarrcaritas abgegeben und stattdessen die youngCaritas übernommen hat. Durch diesen Wechsel wurde Ingrid Böhler für die Teamleitung des Bereichs freigespielt und Marlies Enenkel-Huber kann ihr Talent als Organisatorin der Netzwerke gelebter Nächstenliebe voll entfalten. Der ebenfalls stark expandierte Bereich der Lerncafés leitet Beate Bröll. Neue Lerncafés gibt es seit Herbst übrigens in Bludenz, Feldkirch und Wolfurt.