Wohin die Wege der Pfarrgemeinden in den nächsten Jahren führen werden - sprich, wie sich was entwickeln wird - war Thema beim Pastoralrat in Hohenems. Und so viel ist sicher: Am Ende angekommen ist man hier noch lange nicht.

Der Pastoralrat ist das, was sein Name eigentlich ja schon verrät: Ein Gremium, das den Bischof in Fragen der Seelsorge berät. Aber mehr noch. Der Pastoralrat ist mit seinen rund 30 Mitgliedern eines der größten Gremien in der Diözese Feldkirch - und das am breitesten aufgestellte sowieso. Von Pfarrgemeinderät/innen bis hin zu Dekanen, Vertreter/innen kirchlicher und christlicher Einrichtungen - wie der Caritas, der KJ und Jungschar oder dem Familienverband - spannt sich das Spektrum hier auf. Der Bischof steht dem Gremium vor, geleitet wird es bis 2022 von Christine Vonblon, die sowohl ehrenamtlich (als Pfarrgemeinderätin in Bludenz), als auch hauptamtlich (als Leiterin des Teams Lebensgestaltung und Ethik) in der Kirche tätig ist. 

 

Klappe, die vierte

Es war die vierte Sitzung dieser Funktionsperiode. Man traf sich im Pfarrsaal von Hohenems St. Karl und auf der Tagesordnung stand ein großes Thema "Gemeindeleitung/Leitungsmodelle". In einer breit angelegten Umfrage wurden schon zu Beginn des Jahres Themen gesammelt, die vielen schon länger oder auch kürzer unter den Nägeln brennen. In der letzten Sitzung des Pastoralrates wurde dann mit dem Bereich der "Gemeindeleitung" jener Schwerpunkt gefunden, der nun als erster bearbeitet wird. Um auf das Thema hinzuführen und alle auf denselben Wissensstand zu bringen, lagerte die Steuerungsgruppe des Projekts der eigentlichen Beratung einen Überblick über die Finanz- und Personalentwicklung der Katholischen Kirche Vorarlberg vor.

 

Woher kommt wie viel Geld und wie lange noch?

Was das Geld betrifft, übernahm diesen Part Finanzkammerdirektor Andreas Weber. Kurz und knapp erklärte er, an welchen Schrauben ab wann gedreht werden muss, um die Arbeit in den Pfarren und auf gesamtdiözesaner Ebene zu sichern. Sein Fazit: "Sparen muss man immer, aber ein Feuerwehreinsatz ist derzeit noch nicht in Sicht."

Das heißt folgendes. Pro Jahr darf man derzeit mit rund 25 Millionen Euro an Kirchenbeitragsgeldern rechnen. Gemeinsam mit den weiteren Einnahmen stehen der Katholischen Kirche Vorarlberg so pro Jahr rund 28. Millionen Euro zur Verfügung. 60% davon fließen direkt zurück in die Pfarren. Den größten Anteil an diesen 28 Millionen haben die Personalkosten (Priester, Pastoralassistent/innen, Fachreferent/innen, aber auch direkte Subventionen an Pfarren, etc).

 

Zwei entscheidende Zahlen

Nun hängt die laufende Finanzsituation der Diözese ganz entscheidend an zwei Zahlen: eben dem Kirchenbeitrag und den Personalkosten. Die Personalkosten werden in den kommenden Jahren (z.B. durch Inflationsanpassungen) steigen. Wie hoch die Gelder aus dem Kirchenbeitrag bleiben, hängt wieder direkt von der Anzahl der Kirchenbeitragszahler/innen und natürlich auch von der Höhe der jährlichen Anpassungen ab.

 

420.000 Vorarlberger/innen und 220.000 Katholik/innen

Die Überraschung des Abends war in dieser Rechnung sicherlich, dass der Kirchenbeitrag bis 2033 relativ stabil bleiben wird. Und zwar trotz einer angenommenen Austrittsrate von 1,4%. Das heißt also in Worten: 2033 wird die Bevölkerung in Vorarlberg auf rund 420.000 Einwohner/innen angewachsen sein. Der Katholischen Kirche werden dann noch rund 200.000-220.000 Menschen angehören - also eventuell weniger als die Hälfte. Kirchenbeitragspflichtig sind in 15 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach rund 138.000 Frauen und Männer. Und trotzdem wird sich der Kirchenbeitrag noch bei knapp 25 Millionen Euro pro Jahr eingependelt haben.

Warum das? Weil die  Altersstruktur der Kirchenbeitragszahler/innen relativ stabil bleiben wird, erklärt Andreas Weber. Das heißt: derzeit verlassen vor allem junge Erwachsene zwischen 20-30 Jahren die Kirche. In 15 Jahren wirkt sich das noch nicht gravierend aus. Später auf jeden Fall. Deshalb gelte es, genau zu beobachten, wie sich die Zahlen entwickeln, um früh genug reagieren zu können, so Weber. 

 

Und das Personal - Gemeindeleitung neu

Eine Prognose zur Personalsituation in den nächsten sieben und schließlich in den nächsten 14 Jahren, war daran anschließend die Sache des diözesanen Personalreferenten Peter Mayerhofer. 2011 wurde in den diözesanen Gremien der Struktur- und Stellenplan 2025 beschlossen. Er war ein Blick in die personelle und strukturelle Zukunft der Pfarren in Vorarlberg. Heute, in der Halbzeit, zeigt sich, erklärte Mayerhofer, dass die Entwicklung doch schneller voranschreitet.

2011 zeichnete man für 2025 folgendes Szenario. Die 126 Pfarren des Landes werden sich aufteilen in 8 Einzelpfarren, 36 Pfarrverbände und 5 Seelsorgeräume. Dafür werden 66 Priesterstellen zur Verfügung stehen und rund 40 Vollzeitäquivalente (also insgesamt 4000 Stellenprozente) für Pastoralassistent/innen.

Sieben Jahre später, also heute, steht man mit den 126 Pfarren bei 21 Einzelpfarren, 35 umgesetzten Pfarrverbänden und 4 umgesetzten Seelsorgeräumen. Derzeit zählt man 98 Priester und 42 Vollzeitäquivalente für Pastoralassistent/innen. Scheint so, als wäre man doch ganz gut im Plan. Stimmt. Es scheint so. Denn, dass von den knapp 100 Priestern "nur" 65 in Leitungsfunktionen stehen zeigt, dass sich das Ziel von 66 Priestern in Leitungsfunktionen im Jahr 2025 doch etwas entfernt hat. Das Durchschnittsalter der Priester liegt derzeit bei 56 Jahren, das der Pastoralassistent/innen bei 47.

 

Haben wir 2025 noch einen Pfarrer im Ort?

Und wie sieht die Prognose nun für 2025 aus? 80 Priester wird man dann, so der Ausblick, in Vorarlberg zählen. 49 von ihnen werden in einer Leitungsfunktion - also als Pfarrer, Pfarrmoderator oder Pfarrprovisor - stehen. Bei den Pastoralassistent/innen sieht das Jahr 2025 noch etwas besser aus. Man rechnet hier mit 34 Vollzeitäquivalenten.

Noch einmal sieben Jahre weiter und in Vorarlberg leben und arbeiten noch 57 Priester, 37 von ihnen in einer leitenden Funktion in den 126 Pfarren. Dass nun verstärkt in die Personalentwicklung und die Entwicklung neuer Leitungsmodelle vor Ort investiert werden muss, betonten deshalb sowohl Pastoralamtsleiter Martin Fenkart als auch Personalreferent Peter Mayerhofer: "Es muss sich die Arbeitsweise ändern und das Miteinander von Priestern und Laien."

 

Die Arbeit geht weiter

Beim Pastoralrat in Hohenems blieb es im Rahmen dieser Beratungssitzung vorerst bei dieser Bestandsaufnahme. In der nächsten Sitzung steht das Thema "Gemeindeleitung und Leitungsmodelle" wieder auf der Tagesordnung. Und auch in der Zwischenzeit wird an dem Thema weitergearbeitet. In der Steuerungsgruppe, die Modelle sichtet, Erfahrungen sammelt und auch Prozesse wie die Entwicklungen der Region Vorderland begleitet.

Nach der Wahl von Pfarrer Paul Riedmann als Dekanevertreter im Pastoralrat, setzte ein Impuls von Caritasdirektor Walter Schmolly  den Schlusspunkt unter die Hohenemser Sitzung. Der 18. November ist der "Welttag der Armen". Daran erinnerte Schmolly mit Beispielen aus Vorarlberg, von Menschen, die im wohlständigen Vorarlberg sich entscheiden müssen, ob sie nun ihren Kindern etwas zu essen kaufen, oder die Miete zahlen.

Der Pastoralrat in Hohenems gab zu denken - nachzudenken über Armut im Wohlstand und über die Zukunft der Gegenwart.