Gäbe es keine christlichen Gotteshäuser, würde den Dörfern und Städten in Vorarlberg etwas Wesentliches fehlen. Davon ist Pastoralamtsleiter Martin Fenkart überzeugt. Die Kirchentüren stehen für alle offen – auch für diejenigen, die aus der Katholischen Kirche Vorarlberg ausgetreten sind. Im Jahr 2019 taten dies 3218 Menschen. Offen steht ihnen auch der Weg zurück zur Katholischen Kirche. Diesen Weg haben im vergangenen Jahr 141 Personen gewählt.

Foto: Böhringer Friedrich. / Egg Kirche und Bregenzerache, Zuschnitt, CC BY-SA 3.0 AT

„Mit einer Steigerung von 7,9 Prozent der Austritte liegen wir zwar deutlich unter der Zahl für Gesamtösterreich mit 14,9 Prozent, aber auch über dem  Trend der letzten Jahre“, sagt Pastoralamtsleiter Martin Fenkart. Natürlich bedauert er, dass 3218 Menschen in Vorarlberg im vergangenen Jahr aus der Katholischen Kirche ausgetreten sind: „Jeder Austritt schmerzt, ist aber zu respektieren.“
Im Blick auf die Kirchenentwicklung fällt dem Pastoralamtsleiter die abgebrannte Kathedrale Notre Dame von Paris ein und das riesige Engagement vieler Menschen für den Wiederaufbau. Er fragt: „Was muss geschehen, damit Menschen ein Kirchen-Neuaufbau, nicht nur von Steinen, plötzlich wichtig wird? Es braucht mit Sicherheit ‚stärkere Beziehungen‘, aber auch das Erkennen der Menschen, was ihnen Kraft, Zusammenhalt und Heimat gibt. Daraus kann Gutes und Verbindendes geschaffen werden. Ohne unsere christlichen Gotteshäuser würde unseren Dörfern und Städten so etwas wie die Seele fehlen. Der soziale und kulturelle Wert der Kirche ganz allgemein ist nicht zu unterschätzen.“

Wichtige Orte, die instand gehalten werden

Meist bilden Kirchen den Mittelpunkt eines Dorfes oder eines Stadtteils. Sie sind Orte, an denen Menschen „konsumfrei“ Ruhe finden, wo sie ihre Sorgen hintragen, Rituale und Feste feiern können. Damit diese Orte für alle erhalten bleiben, muss immer wieder renoviert werden. Ca. 30 Renovierungsprojekte – Kirchen, Kapellen und Pfarrhöfe – werden pro Jahr mit großem Engagement des diözesanen Bauamtes umgesetzt. 2019 wurden zwölf Kirchen saniert. Für das neue Jahr sind Renovierungsarbeiten bei zehn bis 15 Kirchen geplant, u. a. in Dalaas und Koblach.

„Bei Lebenswenden wichtig“

Natürlich und in erster Linie sind Kirchen wichtige Orte des religiösen Lebens, in denen u.a. die zentralen christlichen Feste gefeiert werden: Taufe, Erstkommunion, Firmung und Trauung. Auch der letzte Abschied aus der Gemeinde wird hier genommen. Die Zahlen dieser Feiern und Verabschiedungen machen deutlich: „Gerade bei den Lebenswenden ist Kirche für viele wichtig“, sagt Martin Fenkart. Auch darüber hinaus schätzen viele Menschen die selbstverständlich erscheinenden Angebote der Kirche: tausende Sternsinger/innen, Besuchsdienste bei älteren und kranken Menschen, die Reihe „Christen und Muslime im Gespräch“, Elternbildung oder Unterstützung in unterschiedlichen Lebenslagen durch das Ehe- und Familienzentrum.

Viel Positives im Jahr 2019

Blickt Martin Fenkart auf das vergangene Jahr zurück, sieht er viel Positives: 25.000 Menschen engagierten sich ehrenamtlich für die Kirche, 1.000 Mitarbeiter/innen haben sich beim Diözesanforum mit der Zukunft der Pfarren beschäftigt. Der Pastoralamtsleiter dankt allen, die die Anliegen der Kirche mittragen, die durch ihr Engagement und ihren Glauben die Kirche lebendig halten.
Die Katholische Kirche Vorarlberg hat im vergangenen Jahr 30 neue Mitarbeiter/innen angestellt, darunter auch zahlreiche junge Menschen, die u. a. in die Pfarr- und Krankenhausseelsorge eingestiegen sind.

In die jungen Menschen investieren

Apropos junge Menschen: Gerade sie haben vielfach wenig Bezug zur Kirche. An die 40 Prozent der ausgetretenen Menschen sind jünger als 30 Jahre. „Wenn der persönliche Bezug und die Beziehung zu aktiven Mitgliedern der Kirche fehlen, liegt ein Austritt nahe. Diese Menschen wollen nicht für etwas bezahlen, was in ihrem Alltag wenig Bedeutung hat“, erklärt Martin Fenkart.
Um dies zu ändern und junge Menschen zu erreichen, hat die Katholische Kirche Vorarlberg viele innovative Jugend-Angebote ins Leben gerufen – sie sollen auch 2020 fortgeführt werden: das Theo-Forum, die Pasta-Talks, die Pop-up-Church, die Lehrlings- und Maturawallfahrt. In vielen Pfarren starten neue Vorbereitungswege auf die Firmung mit 17. Bischof Benno selbst sucht und schätzt den Kontakt mit Jugendlichen sehr.

Zurückkommen

So kann es schließlich passieren, dass jemand wieder in die Kirche eintritt. 2019 taten dies 124 Personen. Für viele von ihnen war es wichtig, dass sie zur Gemeinschaft der Kirche dazugehören, da sie selbst oder ihr Kind ein Sakrament empfangen. Zudem traten 17 Menschen von einer anderen Glaubensgemeinschaft zur katholischen Kirche über.

Factbox

Vorläufige Zahlen zum Jahreswechsel
Jahr        Austritte    Taufen    (Wieder)Eintritte    Widerrufe
2019        3218        2326        141            32
2018        2981        2426        159            36
2017        2858        2443        213            23

Gesamtzahl der Katholik/innen in Vorarlberg
(jeweils resultierend aus dem Saldo
„Eintritte/Austritte/Taufen/Sterbefälle“):
2019: 229.547
2018: 233.325
2017: 236.101