Der 11. Oktober ist in zweifacher Hinsicht ein markantes Datum. Einerseits jährt sich die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum 50. Mal und andererseits nimmt mit dem 11. Oktober das „Jahr des Glaubens“ seinen Anfang. Gerade heute gehe es nun darum, die Geschichte – Kirchengeschichte wie persönliches Erleben – als Heilsgeschichte zu erfahren und die Schöpfung zu bewahren, wie Diözesanadministrator Dr. Benno Elbs heute vor Journalisten betonte.

Das Zweite Vatikanische Konzil, das 1962 in Rom eröffnet wurde, gilt bis heute als das Konzil, das die Kirche auf den Weg ins Hier und Heute geführt hat. Aggiornamento, Verheutigung, angemessene Erneuerung – diese Begriffe mit Strahlkraft sind bis heute unzertrennlich mit dem Zweiten Vaticanum verbunden. Das „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils ausgerufen hat, ist heute eine Einladung an alle, sich neu mit dem Glauben und den Texten des Konzils auseinanderzusetzen.
Ausstellungen, Kurse, Vorträge und Beteiligungsaktionen sind nur ein Ausschnitt aus dem Angebot, das die Verantwortlichen der Diözese Feldkirch aus diesem Anlass zusammengestellt haben.

"Bewahrung der Schöpfung"

Diözesanadministrator Dr. Benno Elbs betonte in diesem Zusammenhang, dass nicht nur die großen Themen des Konzils bis heute ein Auftrag an die Kirche sind, sondern dass es vor allem die vertiefte Erfahrung des Glaubens ist, aus der sich die Begegnung mit der Zukunft gestalten könne.

Vieles ist geschehen in den vergangenen 50 Jahren. Gottesdienste wie wir sie heute kennen – in deutscher Sprache, mit Volksaltären, den Menschen zugewandt– sind in dieser Form direkt auf die Beschlüsse des Konzils zurückzuführen. Auch die aktive und aufgewertete Rolle der Laien, die sich in Pfarrgemeinderäten, in Pfarrkirchenräten, haupt- und ehrenamtlich in den Gemeinden und den unterschiedlichsten Gremien engagieren, wäre so vor 1962 nicht denkbar gewesen. Es ist auch der Dialog mit anderen Konfessionen, der durch die Weichenstellungen des Zweiten Vaticanums entstehen konnte.“ Darüber hinaus liege der Auftrag für die Zukunft vor allem auch in einem bewussteren und sensibleren Umgang mit der Natur und der Bewahrung der Schöpfung.

„Erneuerung aus dem Ursprung“

Dass uns das Konzil – gerade auf die Erfahrung des Glaubens – eine ganz entscheidende Richtungsweisung gab, skizzierte Pastoralamtsleiter Dr. Walter Schmolly. „Die Erneuerung der Kirche muss eine Erneuerung aus ihrem Ursprung sein. So wie in ihren Anfängen bildet sich auch heute die Kirche zusehends und verstärkt wieder aus der Kraft der Botschaft Jesu heraus. Hier fügt sich das ,Jahr des Glaubens’ ein. Uns geht es in diesem Jahr vor allem darum, Menschen zu ermutigen, ihren Glauben und ihre Hoffnungen ins Gespräch zu bringen.“
Das sei, so Schmolly weiter, gerade in unserer Gegenwart eine große und wichtige Aufgabe, bei der es darum gehe, das Konzil in seiner provozierenden und inspirierenden Kraft zu erschließen.

Sichtbare Zeichen dieser inspirierenden Kraft sind auch die Kirchenräume selbst. Wie sehr sich gerade der Kirchenbau nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil veränderte, erklärte Pfarrer Josef Schwab anhand der Dornbirner Martinskirche, die zu einer der ersten Kirchen der Diözese zählt, die nach 1965 umgebaut wurden: der Volksaltar rückt in die Mitte, die Menschen gruppieren sich um dieses Zentrum zu einer Gemeinde.

Bauzäune, Archive und Gespräche auf den Straßen

Inspirieren will auch das Programm zum „Jahr des Glaubens“. Eine mobile Bauzaunausstellung, die die Pfarren durch das „Jahr des Glaubens“ begleiten wird, spannt die großen Themen des Konzils auf und erinnert daran, dass am Auftrag des Zweiten Vaticanums bis heute gearbeitet wird.
Das Archiv der Diözese wiederum steuert den kirchengeschichtlichen Kontext mit einer Ausstellung im Kloster Altenstadt bei. „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen ...“, so der Titel des Streifzugs durch die Konzilsgeschichte, der mit dem ersten Konzil von Nicäa beginnt und – über die Konzilsteilnahme Bischof Wechners – schließlich bis in die direkte Gegenwart der Pfarrgemeinden überleitet.

Direkt im Hier und Heute landet schließlich eine weitere Aktion zum „Jahr des Glaubens“, die die Mitarbeiter/innen der Diözese Feldkirch während der kommenden zwölf Monate umsetzen. Einmal pro Monat tauschen sie ihre Büros mit belebten Plätzen, öffentlichen Räumen und sozialen Brennpunkten. Das Ziel – mit den Menschen ins Gespräch kommen, über den Glauben sprechen, zuhören und verstehen.

Feierstunde
Am 11. Oktober 2012, 19.30 Uhr, wird das „Jahr des Glaubens“ mit einer Feierstunde anlässlich des Konzilsjubiläums in der Dornbirner Pfarrkirche St. Martin eröffnet. Zeitzeugen werden die Erfahrung des Konzils aus ihrem persönlichen Erleben schildern, während Univ. Prof. Jozef Niewiadomski die Spuren des Konzils in ihrer Bedeutung für das Heute beleuchtet. Landesweites Glockengeläut begleitet diesen Festtag.

Österreichweite Aktion
Die Website www.glaubstdu.com stellt an alle die Frage nach dem, was sie glauben oder eben nicht glauben. Jugendliche, Frauen und Männer sind aufgerufen, in kurzen Videospots (max. 15. Sekunden) darüber zu sprechen, was sie glauben oder eben nicht glauben.

Alle weiteren Veranstaltungen zum „Jahr des Glaubens“ finden Sie auf unserer Website
www.kath-kirche-vorarlberg.at/jahrdesglaubens