Presseerklärung der Österreichischen Bischofskonferenz (Nov.08)

„Die Kirche ist aber auch offen für das Gespräch mit Andersgläubigen und Andersdenkenden. Diese Offenheit bedeutet nicht, die eigenen Fundamente zu verdecken. Wir müssen wissen, wer wir selber sind und wofür wir selber stehen, wenn wir als Christen in ein solches Gespräch eintreten.

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der christlich-islamische Dialog, der in diesen Tagen im Vatikan einen neuen Höhepunkt erlebt. Die Präsenz von islamischen Mitbewohnern hat in manchen Gebieten Österreichs zu Ängsten vor einer Destabilisierung geführt. Viele dieser Menschen - beziehungsweise ihre Vorfahren - wurden ab den sechziger Jahren ausdrücklich als "Gastarbeiter" nach Österreich eingeladen. Sie haben zum Aufschwung Österreichs beigetragen. Sie sind Menschen mit spezifischen Traditionen, Überzeugungen und Gewohnheiten. Ein erhofftes Miteinander braucht Anstrengungen von beiden Seiten.

Zu bedenken bleibt, was das Zweite Vatikanische Konzil über den Islam gesagt hat: "Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat". Aber das Konzil verweist auch auf den entscheidenden Unterschied zwischen Christen und Muslimen: "Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen".

Die entscheidende Frage in allen Dialogen lautet: Wer ist Christus für mich? Nur ein Prophet, ein bedeutender Mensch? Oder Gott und Mensch, "wahrer Gott vom wahren Gott", wie es das große Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen aussagt?

Der Dialog mit den Zuwanderern - von denen weniger als die Hälfte aus einer islamisch geprägten Kultur kommt - ist aber nur ein Aspekt des gesellschaftlichen Dialogs, zu dem Österreich angesichts des 90-Jahr-Jubiläums der Republik aufgerufen ist.“

Aus der Presseerklärung der Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, vom 3. bis 6. November 2008, Großrußbach (Niederösterreich)